Der Wolf findet Schutz beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein.
Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Junge leitet sie.
Kuh und Bärin nähren sich zusammen, ihre Jungen liegen beieinander.
Der Löwe frisst Stroh wie das Rind.
Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter
und zur Höhle der Schlange streckt das Kind seine Hand aus.
Man tut nichts Böses und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg;
denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des HERRN,
so wie die Wasser das Meer bedecken.
An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein,
der dasteht als Feldzeichen für die Völker;
die Nationen werden nach ihm fragen
und seine Ruhe wird herrlich sein.
Jesaja 11, 6-10
In der Woche, in der ein verurteilter Straftäter, Rassist, Populist und Frauenfeind erneut zum Präsidenten der USA gewählt wurde und bei uns in Deutschland die Ampelkoalition zerbrochen ist, stand ein Termin in meinem Kalender, auf den ich mich sehr lange gefreut hatte: Die erste Kirche Kunterbunt-Konferenz. Beim Kofferpacken habe ich mich allerdings gefragt, wie das eigentlich zusammengehen soll: gefühlt geht gerade die Welt unter und wir feiern fröhlich und werfen Konfetti?
Im Nachhinein denke ich, das hat sehr gut zusammengepasst. Die ökumenische Kirche-Kunterbunt-Bewegung ermöglicht an fast 350 Orten in Deutschland Quality Time für Familien und erzählt von der Hoffnung, dass Zusammenleben auch anders geht: Bei Kirche Kunterbunt sind Kinder und Familien willkommen. Sie dürfen genauso sein, wie sie sind. Es wird viel gelacht und es darf auch mal etwas schiefgehen. Die Kultur bei Kirche Kunterbunt ist von der Überzeugung getragen, dass miteinander besser ist als gegeneinander, und Große auch von Kleinen lernen können.
Die Vision des Propheten Jesaja klingt gerade heute zu schön um wahr zu sein: Irgendwann koexistieren Fressfeinde friedlich und sogar Raubtiere ernähren sich vegetarisch. Doch Jesus hat das in seiner Botschaft vom Reich Gottes sehr ernst genommen. Seine Botschaft ist kein Auftrag, nur abzuwarten oder sich in irgendwelche Traumwelten zu verlieren. Jesajas Hoffnungsvision und Jesu Botschaft vom Reich Gottes sind Handlungsauftrag, als Christinnen und Christen die Welt zu gestalten und gegenwärtige Zustände zu verbessern. Es liegt an uns allen, dieser Hoffnung eine Chance zu geben, indem wir uns für eine bessere Welt einsetzen.
Und genau diesen Hoffnungstrotz sehe ich bei den vielen Kirche-Kunterbunt-Initiativen: Wir sind bunt und werfen Konfetti in einer Welt, die von anderen schwarz-weiß gezeichnet wird. Diesen Hoffnungstrotz wünsche ich mir für´s nächste Jahr und Pippi Langstrumpfs mutige Zuversicht, die sagt: „Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar.“
Ein Beitrag von Laura Müller, Referentin für Katechese, Katechumenat und Sakramentenpastoral in der Erzdiözese Freiburg, für Advent-Online, dem ökumenischen Adventsangebot der evangelischen und katholischen Kirchen in Baden-Württemberg.
