Du bist vertraut mit all meinen Wegen
Gedanken zum Tag, 12.12.2025
Ist Gott ein Kontroll-Freak? Wie sehe ich Gott, wie sieht er mich?
Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich.
Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir.
Von fern erkennst du meine Gedanken.
Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt;
du bist vertraut mit all meinen Wegen.
Noch liegt mir das Wort nicht auf der Zunge -
du, Herr, kennst es bereits.
Psalm 139, 1-3
Der Schutz der Intimsphäre ist für ein menschenwürdiges Leben unerlässlich. Gerade Prominente können ein Lied davon singen. Auf Schritt und Tritt beobachtet, müssen sie damit rechnen, dass intime Details ihres Lebens – medial aufbereitet – öffentlich ausgebreitet werden. Besonders, wenn Scheitern, Schuld und Versagen im Spiel sind, scheint das öffentliche Interesse ausgeprägt.
Wie aber ist das mit Gott? Er weiß alles, hört alles, sieht alles. Ihm bleibt kein Gedanke, kein Wort, kein Geheimnis verborgen. Gott – ein Kontroll-Freak? Wer will schon immer beobachtet, womöglich kontrolliert werden. Nicht zu leugnen, dass durch die Kirche auch ein solches Gottesbild verbreitet wurde (und hoffentlich nicht mehr wird)!
Der Dichter der Psalmen-Verse teilt seine Erfahrungen mit: Gott will mir nicht Angst machen, sondern Hoffnung stiften; er will mich nicht einengen, sondern zum Leben befreien. Dieser Gott, der mich ins Leben geschaffen hat, ist für mich da, er weiß um mich und er sorgt sich um mich. Wenn einer so für mich da ist, kann ich mich ganz gelassen unter seine Führung stellen. Ich weiß, dass mein Leben, das ich selbst gestalte und lebe, gelingen wird. Denn was auch geschieht: Die Zusage Gottes – sein Ja zu mir – ist unverbrüchlich.
So gehe ich in der Kraft meines Gottes,
nichts kann mich schwächen.
Ich gehe in der Kraft seines Geistes,
nichts kann mich entmutigen.
Ich gehe in der Kraft seiner Liebe,
nichts kann mich davon abhalten.
In Gottes Segen gehe ich.
(Nach: Wenn Beten Leben wird, DLF vom 6.11.2011)
Mathea Schneider
Erzdiözese Freiburg
Beitrag aus dem Jahr 2011
