"Zacharias verlangte ein Schreibtäfelchen und schrieb darauf: Johannes ist sein Name.
Und alle staunten.
Im gleichen Augenblick konnte er Mund und Zunge wieder gebrauchen
und er redete und pries Gott."
Lukas 1, 63-64
Advent! Heiligabend immer näher am terminlichen Horizont. Videokonferenz. Unverschiebbar „Noch vor Weihnachten!“ Auf dem Bildschirm die anderen Teilnehmenden. Wie so oft im letzten Jahr. Ich schaue genauer hin. Die eine Kachel hat sich dazwischengemogelt. Golden.
Ich klicke auf den kleinen Button am Rand. „Du suchst Kontakt?“ „Ja, ich kenne dich nicht!“
„Das kann sein. Ich bin dein Adventsengel!“ „Mein Adventsengel?“, frage ich zurück. „Das gibt’s doch gar nicht!“ „Ich habe auch eine Botschaft für dich!“ „Und die wäre?“, frage ich zurück. „Lass es Advent werden! Weniger Kacheln. Mehr Menschen. Weniger Termine. Mehr Zeit füreinander!“ „Und wie soll das gehen?“, gebe ich zur Antwort. „Ich habe doch meine Verpflichtungen.“ „Ich erinnere mich an einen, der hatte auch seine Verpflichtungen. Tempeldienst in Jerusalem. Kein Blick für die wohltuende Unterbrechung. Seiner Frau ging es nicht gut. Fühlte sich einsam. Hat sich so sehr ein Kind gewünscht. Hatte keine Lust auf Zukunft. Nur er, er hatte Tempeldienst. Habe ihn dann einfach aus dem Verkehr gezogen. Es hat ihm die Sprache verschlagen. Buchstäblich. Und als er dann endlich den Blick hatte für den einen Menschen mehr unter seinem Dach, seinen kleinen Sohn, da findet er seine Stimme wieder. Nein, nicht für den Tempeldienst. Er fängt an zu singen. Besingt sein Glück. Das seines Volkes. Sein eigenes. Und er schlägt eine neue Richtung in seinem Leben ein. Richtet seine Füße auf den Weg des Friedens“, wie er singt.“ „Was hat das mit mir zu tun? Ist doch lange her.“ Der Engel gibt keine Ruhe. „Tempeldienst. Videokonferenz. Unverschiebbare Verpflichtungen. Lass mal eine Pause zu. Riskiere den Advent! Wag eine neue Blickrichtung. Weg vom „unbedingt noch!“. Hin zum „kann auch später noch sein!“ Der Advent – er kann deine Chance werden. Wie für den alten Priester vor zweitauend Jahren.“
Dann ist Ruhe um mich. Ein toter Bildschirm. Gut tut mir das. Und ich fange an zu singen. Zweitausend Jahre nach Zacharias immer noch eine gute Alternative. Was für ein Glück, dieser Adventsengel!
Prof. Traugott Schächtele
Prälat im Kirchenkreis Nordbaden, Evangelische Landeskirche in Baden