Ein Wegweiser auf der Fensterbank

Advent-Online vom 3. Dezember 2024

Gott ist unsre Zuversicht und Stärke,
eine Hilfe in den großen Nöten,
die uns getroffen haben.
Darum fürchten wir uns nicht,
wenngleich die Welt unterginge
und die Berge mitten ins Meer sänken,
wenngleich das Meer wütete
und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen.
Psalm 46, 2-4
 
 
„Kann das wahr sein?“ habe ich mich an jenem unseligen Mittwoch gefragt, als die Stimmen in den USA ausgezählt waren und in Deutschland die Regierungskoalition zerbrach. Eine Welle der Sorge und Furcht überflutete mich. „Was kommt da auf uns zu? Wie soll das weitergehen? In was für einer Welt werden meine Kinder und Enkel leben?“
 
Immer wieder gibt es Situationen, da überfallen mich Ängste und Sorgen regelrecht. Das war damals beim Einmarsch Russlands in die Ukraine so, genauso beim Überfall der Hamas auf Israel. Eine zentnerschwere Last liegt dann auf mir und die Welt scheint nur noch düster und grau. Wenn mein Blick in einer solchen Stimmung auf das Lichtkreuz fällt, das auf meiner Fensterbank steht, hellt sich mein Inneres auf. Das „Fürchtet euch nicht“, das so oft in der Bibel zu finden ist, kommt mir dann in den Sinn. Nein, ich brauche mich nicht zu fürchten, „wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken“ brauche ich mich nicht zu fürchten. Denn unser Gott geht mit uns durch jede Katastrophe.
 
In dieser Adventszeit werde ich mein Lichtkreuz ganz bewusst in den Mittelpunkt stellen. Es soll mich jeden Tag daran erinnern, dass Gott meine Zuversicht und Stärke ist, dass er auch durch die Kreuze meines Alltags seine Liebe und sein Licht scheinen lässt. Und wenn die Welt Kopf steht, wenn sich die politische Situation um uns herum zuspitzt, wenn vieles grau und düster aussieht, dann, ja gerade dann, werde ich eine Kerze anzünden, sie zu meinem Kreuz stellen und diese ersten Verse des Psalms 46 sprechen:
„Gott, du bist meine Zuversicht und Stärke,
meine Hilfe in den großen Nöten,
Darum fürchte ich mich nicht.“
 
Mit dieser Zuversicht im Herzen kann ich hoffnungsvoll „Ad te“ – zu dir in die Zukunft gehen und kann mich auf deine Ankunft freuen.
 
 
Ein Beitrag von Maritta Lieb, Gemeindereferentin in der Erzdiözese Freiburg für Advent-Online, dem ökumenischen Adventsangebot der evangelischen und katholischen Kirchen in Baden-Württemberg.