Der traut sich was

Impuls für den 21.12.2017

Er war Gott gleich, /
hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich /
und wurde wie ein Sklave /
und den Menschen gleich. /
Sein Leben war das eines Menschen;
er erniedrigte sich / und war gehorsam bis zum Tod, /
bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht / und ihm den Namen verliehen, / der größer ist als alle Namen,
damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde / ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
und jeder Mund bekennt: /
„Jesus Christus ist der Herr“ – / zur Ehre Gottes, des Vaters.
Brief an die Philipper 2,6-11
 
 
Im Advent wird gesungen. Zumindest mehr als in anderen Zeiten des Jahres. Geprägte Formulierungen. Überzeugungen, in knappe Worte gefasst. Sätze, die ich mich sonst gar nicht zu sagen traue. Manchmal dichte ich zu einem bekannten Lied neue Strophen dazu. So ähnlich ist es auch beim diesem Lied vom Machtverzicht Gottes. Ein Lied, das die Menschen damals gekannt und gesungen haben. Aber sie haben das Lied weitergedichtet. Das Thema des Liedes hat sie zum Singen gebracht.

Die Menschen haben damals erfahren: Wenn wir Gott mit einem König vergleichen, stimmt das nur zum Teil. Könige haben Macht und Einfluss. Sie lassen andere ihr Leben etwas kosten. Und sie lieben es, andere ihre Macht spüren zu lassen. Für Gott trifft das nicht zu. Gott verzichtet auf das, was er anderen voraushat.
Gott will sein wie wir alle auch: einfach ein Mensch!

Advent heißt: Kühn mit Gott rechnen. Und mit Gottes Kühnheit rechnen. Mensch werden. Und seine Macht drangeben. Das trauen sich Menschen, die innerlich stark sind und keine Statussymbole nötig haben.
 
An Franz von Assisi und seine Seelenschwester Klara denke ich, die ihrem reichen Elternhaus Adieu sagen und aufbrechen in ein einfaches Leben.
 
An Albert Schweizer denke ich, der seine akademische Karriere dran gibt und sich auf den Weg in den Urwald macht.
 
An junge Menschen denke ich, die ihre Ausbildung zurückstellen, um einen Friedenseinsatz oder ein Freiwilligenjahr zu absolvieren.
 
Drangeben, was ich habe und was mir zusteht – um meiner Mitmenschen willen. Das ist das Modell Gottes, dem es genügt, unscheinbar wie ein Kind in einer Krippe zu liegen. Zum Staunen bringt mich dieser kühne Schritt Gottes. Und zum Singen. Sie hoffentlich auch!
Autor / Autorin
Prof. Traugott Schächtele

Prälat im Kirchenkreis Nordbaden, Evangelische Landeskirche in Baden

Bei Fragen zu den Impulsen wenden Sie sich bitte an: info@advent-online.de