Selig, die Frieden stiften;
denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden;
denn ihnen gehört das Himmelreich.
Mt 5, 9f
Bereits seit 1901 wird alljährlich im Dezember in Oslo der Friedensnobelpreis verliehen. 2013 geht der Preis an die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW). Immer wieder sorgt die Auswahl der Preisträger durch das norwegische Komitee für Diskussionen und Auseinandersetzungen. Gelegentlich, so wie bei der Verleihung des Friedensnobelpreises an Barack Obama, wird auch im Nachhinein noch darüber gestritten, ob die ausgewählte Person des Preises überhaupt würdig war.
Mir persönlich ist die Verleihung des Jahres 2010 noch in bleibender Erinnerung, als der chinesische Dissident Liu Xiaobo den Preis nicht selbst entgegen nehmen konnte, und ein leerer Stuhl deutlich machte, dass zumindest sein eigener Kampf für Frieden und Gerechtigkeit noch nicht zu Ende war.
Mehr als 100 Jahre lang wurden nun bereits Menschen für ihren ganz persönlichen Einsatz für den Frieden und eine gerechtere Welt ausgezeichnet. Viele berühmte Politiker sind darunter, aber auch Frauen und Männer, deren Einsatz sie nicht zu weltweiter Bekanntheit geführt hat. Man darf die Frage stellen: Ist dadurch unsere Welt friedlicher geworden?
„Selig, die Frieden stiften“ – bis heute müssen wir festhalten, dass der Friede eine zarte Pflanze im Zusammenleben der Menschen ist. Die Gottesherrschaft, die den wirklichen Frieden bringen kann, steht noch aus. Immer wieder setzen sich Menschen dennoch ungeachtet der Gefahr für das eigene Leben für einen bleibenden Frieden ein. Sie werden in der Bergpredigt selig gepriesen. Sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt. Sie sind es, die den Auftrag Jesu auch unter uns wach halten.
Der Friede auf Erden, wie er an der Krippe verheißen ist, ist noch nicht unter den Menschen angekommen. Er ist zentraler Teil dessen, was wir erwarten, worauf der Advent uns hinführen will: Die Herrschaft Gottes als Geschenk an die Menschen.
Anja Dörner
Erzdiözese Freiburg
Beitrag aus dem Jahr 2013
