Christus segne dieses Haus

Gedanken zum Tag, 20.12.2025

Bibel und Traditionen, um beides in Einklang zubringen, dazu braucht es manchmal ein AHA-Erlebnis. Von solch einem erzählt uns heute Jennifer Berger, Pfarrerin aus Stuttgart.

Caspar, Melchior und Balthasar, die drei Könige, sind mir erst im Studium lieb geworden. In einer evangelischen Umgebung aufgewachsen, war mir der Brauch, dass die Sternsinger vor die Häuser kommen, fremd. Was das C*M*B über der Tür bedeutet, habe ich nicht wirklich gewusst. Damals war es mir wichtig zu betonen, dass es ja keineswegs drei Könige waren, die da von König Herodes befragt wurden. In der Bibel steht nämlich nichts, was auf Könige schließen lässt.
 
Es war dann so ein AHA-Moment: Der Professor erklärte, warum es seit der Spätantike drei Könige waren und warum einer von ihnen immer mit schwarzer Haut dargestellt wird: Es geht darum, dass Jesus Christus, der König, der Messias, für die ganze Welt gekommen ist. Für alle Menschen auf den damals drei bekannten Kontinenten und damit eben für Menschen gleich welcher Hautfarbe und gleich welcher Herkunft. Für jeden Kontinent steht jeweils einer der Könige und deshalb werden sie mit verschiedenen Hautfarben dargestellt. Weil wir Menschen nun mal unterschiedliche Hautfarben haben.
 
Selbst König Herodes hatte keine Chance mit seiner Bosheit gegen diese drei. Sie sollten die frohe Botschaft wieder zurück in ihre Länder mitnehmen, damit sie sich auch dort verbreitet. Unter alle Menschen. Sie haben das Kind in der Krippe in Bethlehem gefunden, weil sie den Zeichen gefolgt sind, die ihnen geschickt wurden. So steht es im Matthäusevangelium: „Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“
 
Sie sind dem hellen Stern gefolgt und haben dabei auf ihr Herz gehört. Sie haben so erkannt, dass da nicht nur ein Baby liegt, sondern der Retter der Welt. Und dann sind sie zurückgegangen in ihre jeweilige Heimat und haben dort von dem Kind erzählt. Haben von Christus erzählt. Wie es auch heute noch der Auftrag aller Christinnen und Christen ist. Christus ist zu allen gekommen. Nicht nur zur weißen Oberschicht. Zu allen. Gleich welcher Hautfarbe, gleich welcher Herkunft, gleich welcher sozialen Schicht zugehörig.
 
Für mich ist das ein wunderschöner Gedanke. Wenn bald wieder die Sternsinger von Tür zu Tür gehen, wenn sie fröhlich singen und ihre drei Buchstaben an die Türen schreiben. Dann wünsche ich allen Bewohnerinnen und Bewohnern der Häuser, dass sie das erleben, was die Sternsinger über ihre Türen schreiben. C*M*B, denn das bedeutet: Christus mansionem benedicat. Christus segne dieses Haus.
 
Jennifer Berger
Evangelische Kirche in Württemberg
Beitrag aus dem Jahr 2022