Für wen hält der mich?

Mt 16, 13-17

Quelle: advent-online

Jesus fragte seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.



Für wen hält der mich denn? Diese Frage steigt manchmal in mir auf, wenn mich jemand so richtig ärgert und für dumm verkaufen will. Für wen hält der mich denn, dass der sich das herausnimmt! Für wen halte ich mich selbst? Für wen möchte ich gehalten werden? So frage ich mich, wenn ich mir von neuem Klarheit über mich verschaffen will. Wenn ich eine Lücke verspüre zwischen dem, was andere in mir sehen und dem, der ich selber gerne wäre.

Wer bin ich? Dass ich so frage, braucht nicht zu verwundern. Aber dass auch Jesus so fragt, das erstaunt mich dann schon. Auch Jesus war sich seiner wohl nicht immer so sicher, wie wir das gerne annehmen. Bis heute sehen viele in ihm genau den Menschen, von dem sie glauben, dass die Welt ihn nötig hat. Einen mutigen Revolutionär die einen, einen sanften Heiler die anderen. Einen, der eine neue Ethik verkündigt, oder einen, der besonders weise oder gar erleuchtet ist.

Das war vor 2000 Jahren nicht anders. Die Jünger hatten das Ohr am Volk. Für einen Propheten halten ihn die Menschen, so antworten sie Jesus auf seine Frage, für Elija oder für Johannes den Täufer.

Es ist wieder einmal Petrus, der sich mutig traut, wovor die anderen Angst haben. Dieses Mal ist es nicht die kühne Tat. Dieses Mal ist es der revolutionäre Gedanke. Dieses Jesus - das spürt Petrus - ist keine prophetische Gestalt, die bloß aus der Vergangenheit auftaucht. Er ist einer, der aus der Zukunft auf uns zukommt. Der die neue Welt vorwegnimmt, nach der sich so viele Menschen sehnen. Gottes neue Welt! Petrus legt die Verbindung offen, die diesen besonderen Menschen aus den übrigen Menschen heraushebt. Die aus dem Gesicht dieses Jesus das Gesicht aufleuchten lässt, mit dem Gott sich der Welt zuwendet. Wo ich dieses Gesicht für mich entdecke, kommt der Advent ans Ziel.

Autor / Autorin
Prof. Traugott Schächtele

Prälat im Kirchenkreis Nordbaden, Evangelische Landeskirche in Baden

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