Lohn im Himmel?

Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.
Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden.
Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.
Freut euch und jauchzt an jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird groß sein.
Lk 6, 20-23
Milad sinkt tief in das abgesessene Ledersofa in seinem Zimmer im Asylbewerberheim. Er erzählt von zu Hause. Von dem Zuhause, das keines mehr ist: „Meine Eltern sind noch im Iran. Wir werden dort verfolgt. Wir können nicht offen als Christen leben. Wer in unser Haus kommt, der sieht sofort, dass wir keine Muslime sind. Darum müssen wir uns von der Gesellschaft isolieren, damit wir nicht auffallen. Sonst werden wir verfolgt. Menschen verschwinden einfach. Die Folter in den Gefängnissen ist furchtbar. Darum wollten meine Eltern, dass ich fliehe. Auch wenn ich sie jetzt nicht mehr unterstützen kann und sie in Armut leben müssen. Mein Vater hat gesagt: ‚Geh! Ich will nicht, dass sie dich kaputt machen, an Körper und Geist. Dann bin ich lieber arm.“
Milad ist alles andere als glücklich. Die Angst um seine Eltern, die Sorge vor der eigenen Zukunft bedrücken ihn. Er überlegt, sich hier in Deutschland taufen zu lassen, hat schon mit dem Taufunterricht begonnen. Auch, wenn ihm dann die Todesstrafe im Iran droht, sollte er doch abgeschoben werden. Denn, so sagt er: „Es gibt doch nichts Wichtigeres als den Glauben. Gott wird dann schon einen Weg finden.“
Mich fasziniert es, mit welchem Gottvertrauen Milad seinen Weg geht. Ich könnte das nicht. Ich frage mich, was es denn nutzen soll, wenn er selig gepriesen wird, aber dabei unglücklich ist. Ich frage mich, was es denn nutzen soll, wenn sein Lohn im Himmel groß sein wird, aber seine Eltern in Armut leben.
Aber Milad, der lächelt nur sanft. „Gott wird schon einen Weg finden.“
Autor / Autorin

Pfarrerin, Evangelische Landeskirche in Württemberg
