Er richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte:
Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.
Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden.
Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und
wenn sie euch ausstoßen und schmähen und
euren Namen in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.
Freut euch und jauchzt an jenem Tag;
denn siehe, euer Lohn im Himmel wird groß sein.
Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.
Lukas 6,20-23
Gibt es einen Satz, der in Ihnen eine heftige negative Reaktion auslöst, obwohl er vielleicht gut gemeint war? Bei mir ist das die Floskel: „Alles gut!“
Wenn ich beim Joggen im Weinberg einen Hundebesitzer frage, ob er seinen Hund festhalten könnte, schallt sie mir oft als einzige Reaktion entgegen. Oder in der U-Bahn, wenn ich jemanden davon abhalten will, hineinzudrängen und eine alte Frau beim Aussteigen zu behindern, da kann ich dieses „Alles gut!“ als Reaktion nicht mehr hören.
Es gibt so viele Situationen in unserem Alltag, wo ein „Alles gut!“ vollkommen unangebracht ist. Am Krankenbett, in den überlasteten sozialen Systemen oder in der Weltpolitik geschehen Dinge, die uns wirklich Angst machen.
Es gibt so viele Situationen in unserem Alltag, wo ein „Alles gut!“ vollkommen unangebracht ist. Am Krankenbett, in den überlasteten sozialen Systemen oder in der Weltpolitik geschehen Dinge, die uns wirklich Angst machen.
Ich habe in meiner religiösen Praxis lange mit den Seligpreisungen der Bergpredigt gehadert, kamen sie mir doch wie dieses „Alles gut!“ daher. Jetzt muss es schlecht sein, damit es im ewigen Leben gut werden kann.
Heute kann ich diese Worte ganz anders hören, nicht als billigen Trost, sondern als Verheißung. Dass Jesus, wenn er so etwas sagt, mit einem liebevollen Blick auf all die Nöte und Ängste seines Volkes sieht und dass er sich dabei wünscht, dass es in seiner göttlichen Sphäre anders ist. Und dass er uns mit diesen Verheißungen verspricht, dass es genau dann anders werden kann, wenn man sich auf ihn verlässt.
Als Klinikseelsorgerin durfte ich genau das in vielen Situationen Menschen erfahrbar machen. In meinem Zuhören, in meinem Dasein, in meinem Mitfühlen und Mitaushalten war immer wieder der Himmel gefühlt ein kleines Stück offen.
Gerade dieses Jahr im Advent fällt es mir im Blick auf die Welt besonders schwer, von Seligkeit und Freude zu sprechen. Ich tröste mich dann immer wieder selbst damit, dass Gott weiß, dass bei uns so vieles nicht gut ist. Und dass er es gerade deshalb selbst nicht erwarten kann, mit seiner Geburt uns wieder ganz nah zu sein.
Ein Beitrag von Sabine Mader, Diözesanreferentin für Klinik-, Gefängnis- und Hospizseelsorge in der Diözese Rottenburg Stuttgart für Advent-Online, dem ökumenischen Adventsangebot der evangelischen und katholischen Kirchen in Baden-Württemberg.
