Kindliche Freude - Mein Wärmemoment

Es kam für die Eltern Jesu der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein.
Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.
In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon.
Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels,
und der Heilige Geist ruhte auf ihm.
Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe.
Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war,
nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten:
Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
Denn meine Augen haben das Heil gesehen,
das du vor allen Völkern bereitet hast,
ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden.
Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird.
Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.
Lukas 2, 22-35
 
Oh, was war das für ein Gefühl, wenn die Straßenlaternen ausgingen. Wenn es nach dem schier endlosen Warten dann endlich so weit war. Bei uns zuhause gab es immer am 1. Weihnachtsfeiertag morgens die Geschenke. Die Eltern sagten zu uns Kleinen: „wenn die Straßenlaternen ausgehen“. Gespannt warteten wir also darauf, dass es endlich so weit war.  Und dann endlich der Moment, als das Warten ein Ende hat. Der Moment, in dem wir unter dem Weihnachtsbaum saßen und monatelange Wünsche in Erfüllung gingen. Kindlicher Momente fast grenzenloser Freude.
Irgendwie spüre ich so eine ungeduldige Unruhe, wenn ich die Geschichte von Simeon lese, der im Tempel auf den Messias wartet. Wenn ich mir vorstelle, was dieser Simeon fühlte, als er das Jesuskind auf den Armen hält, wenn ich davon lese, wie all die Last des Wartens von ihm abfällt, dann erinnert mich das an das Gefühl von damals.
 
Bedeutungsvoller und viel weitreichender ist natürlich das, worauf Simon so lange wartete. In den meisten Darstellungen dieser Geschichte ist er schon ein alter Mann, als er das Jesuskind endlich sehen kann – im Lukasevangelium ist das nicht ganz so deutlich. Aber egal ob junger oder alter Mann. Aus seinen Worten spürt man, dass sein Herz jetzt Ruhe findet: 
Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, 31 das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel. (Lukas 2,29)
 
Für Simon war das kleine Kind in dem Armen das Zeichen dafür, dass alles anders werden kann. Er hatte in dem Moment die Gewissheit, dass dieses Kind heilsam wird für viele Menschen. Dass aus diesem kleinen Kind eine Hoffnungsfigur für die ganze Welt wird.
Die Freude an Weihnachten ist lange nicht mehr so intensiv, wie damals als Kind, das Warten aufs Ausgehen der Straßenlaternen ist schon lange vorbei. Aber Wenigstens ein kleines bisschen möchte ich mich anstecken lassen von der unbändigen Freude Simeons. Den Umständen zum Trotz möchte ich die Freude über die Hoffnung spüren, die mit Jesus dieser Welt offenbar wurde. Ich will mich von dem Vertrauen Simeons anstecken lassen, dass Gott in diesem kleinen Menschenkind war. Als Licht für alle Menschen, auch wenn es außen rum noch ganz Dunkel ist.
 
Felix Weise, Pfarrer in der Pressestelle der Evangelischen Landeskirche in Württemberg