Zuversicht - Ein Wärmemoment
"Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel."
Lukas 1, 26-38
Im Sommer war ich mit zwei Freunden in den Alpen unterwegs. Wie jedes Jahr ging es von Hütte zu Hütte, immer eine gute Woche lang. Diesmal führte uns unser Weg durch die Dolomiten.
Am vorletzten Tag, wir hatten schon viele Höhenmeter in den Beinen, doch voller Motivation, ging es weiter. Laut Wanderführer sollte unsere Route über einen mäßig anstrengenden Pfad unweit einer Straße führen, erst einmal ohne große Höhenunterschiede. Doch plötzlich stand da dieser Berg direkt vor uns, 2500 Meter pure Steinmasse und kein Weg, der an ihm vorbeizuführen schien. Was jetzt?
Uns war klar: Wir müssen da jetzt irgendwie drüber. Umzukehren und ihn zu umrunden hätte viel zu viel Zeit gekostet und die Sonne wanderte schon Richtung Westen.
Dass es nicht einfach werden würde, war uns klar. Je höher wir stiegen, desto unwegsamer wurde es – bis wir schließlich mit unseren großen, schweren Rucksäcken auf dem Rücken nur noch über steilstes Geröll und staubigen Schutt tapsten. Jeder Schritt nach vorne bedeutete gleichzeitig 30 cm nach links in Richtung Tal abzurutschen. Mehrere Male verloren wir den Halt und fielen hin und ab und zu kam von oben Geröll herunter, so groß und schnell, dass es uns hätte mitreißen können.
Der Blick nach unten zeigte mir, dass wir schon gut an Höhe gewonnen hatten. Der Blick nach oben zeigte, wie viele Höhenmeter noch vor uns lagen.
Da breitete sich plötzlich, zum ersten Mal seit Beginn des Anstiegs, tief in mir ein wohliges, warmes Gefühl aus, das mir, trotz der Situation, Zutrauen gab: Ja, das hier schaffe ich! Und ab diesem Moment konnte ich alles mit neuen Augen sehen. Ich freute mich über den Weg, den ich schon geschafft hatte, aber auch darüber, dass ich diese großartige Natur erleben durfte. Ab diesem Augenblick fühlte ich mich richtig euphorisch. Glück stieg in mir auf, obwohl wir noch gar nicht oben waren. Den Rest des Anstiegs meisterte ich mit voller Konzentration und richtig Power: Wir erreichten den Gipfel des Berges und konnten die atemberaubende Aussicht genießen.
Meist gibt es mitten in meinem Tun, mitten im Prozess, irgendwann zwischendurch, ohne, dass irgendetwas ihn angekündigt hätte, diesen Punkt, ab dem ich weiß: Ja, es wird gut. Ich kann das schaffen. Dann fühlt es sich plötzlich warm an ums Herz und ein Lächeln zeichnet sich in mein Gesicht.
Wenn ich an das heutige Evangelium denke, dass muss es einen solchen Punkt auch bei Maria gegeben haben. Sie wird konfrontiert mit der Zusage eines Engels, der ihr verkündet: Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären.
Sie erschrickt erst einmal, als ihr der Engel erscheint.
Dann zögert sie, denn sie weiß nicht, wie sie überhaupt schwanger werden soll.
Doch schon im nächsten Schritt nimmt sie ihre wichtige Aufgabe an und stellt sich voll in den Dienst Gottes – ja, dass wird gut. Mit Gottes Hilfe schaffe ich das.
Sebastian Scotti, Pastoralreferent im Erzbistum Freiburg
