Nicht viel Gerede
So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind,
das in der Krippe lag.
Als sie es sahen, erzählten sie von dem Wort,
das ihnen über dieses Kind gesagt worden war.
Und alle, die es hörten, staunten über das,
was ihnen von den Hirten erzählt wurde.
Lukas 2,16-18
Ich mag Menschen, die auch mal ruhig sein können. Die nicht immer im Mittelpunkt stehen müssen. Ich finde es spannend Menschen kennen zu lernen, die nicht gleich zu durchschauen sind. Im Volksmund heißt es ja auch „Stille Wasser sind tief“ und ich habe das oft als wahr erlebt. Die, deren Lebensgeschichte man nicht gleich serviert bekommt, sind oft Menschen mit mehr Tiefgang. Manchmal meinen sie selbst, dass sie nicht interessant seien und erzählen deshalb nicht so viel. Meist stimmt das aber nicht.

Für mich sind die Hirten, von denen in der Weihnachtsgeschichte erzählt wird, auch solche Menschen. Sie sind einfache Hirten und zugleich sind sie sehr wichtig. Nicht umsonst sind sie auserwählt zu den ersten zu gehören, die zum Stall kommen. Während ihrer normalen Arbeit spricht sie der Engel an. Sie sind bei ihren Schafen. Ich stelle mir vor, dass sie einträchtig auf ihre schlafenden Schafe schauen. Nicht viel sprechen. Es ist eigentlich alles gesagt. Die Tiere sind versorgt. Dann wird es plötzlich hell um sie. Sie erschrecken und sofort kommt die Stimme des Engels, der ihnen sagt, dass sie sich nicht fürchten müssen. Das muss tatsächlich geholfen haben, denn sie ziehen los: „Sie eilten hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.“, so erzählt es der Evangelist Lukas in der Bibel. Sie sind so wichtig, dass sie unter den ersten sind, die das Kind in der Krippe sehen dürfen, den neugeborenen König, und sie erzählen, was sie von den Engeln gehört haben. Dass da der Retter der Welt liegt, Christus, der Herr. Alle hören den Hirten zu, sind berührt von diesen Worten und Maria selbst, die Mutter Jesu, bewegt diese Worte noch lange in ihrem Herzen.
Vielleicht wurden die Hirten ausgewählt, weil das, was sie sagen Gewicht hat. Sie sind keine Schwätzer. Man glaubt ihnen, wenn sie mal etwas sagen, weil sie die Worte nicht verschwenden. Hirten gibt es immer weniger in unserer Gesellschaft. Aber es gibt Menschen, die sind wie diese Hirten. Die Ruhigen, die ihre Worte mit Bedacht wählen, weil sie wirklich Wichtiges im Herzen bewegen.
Jennifer Berger

Jennifer Berger, Pfarrerin in Stuttgart, Evangelische Landeskirche in Württemberg
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