Maria bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen

Ein Wort, ein Ereignis prägt den Augenblick, aber nicht nur diesen. Darüber denkt Maritta Lieb, Gemeindereferentin in Sigmaringen am heutigen vierten Adventssonntag und Heiligen Abend nach. 

 
Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.
Lukasevangelium 2,19 
 
 
Es gibt Worte, die treffen wie Speerspitzen mitten ins Herz.
 
Ich erinnere mich noch genau daran, wie mein Mann mir vor vielen Jahren, nach einem Streit sagte: „Ich liebe dich trotzdem. Ich liebe dich so wie du bist!“ Diese Worte trafen mitten ins Herz. Vor allem hat er nicht nur große Worte gemacht, sondern diese Worte gelebt. Auch wenn ich mich unmöglich benommen habe, stand und steht er zu mir und zeigt mir immer wieder aufs Neue, dass er mich liebt.
 
Andere Worte haben ebenfalls mitten ins Herz getroffen. Worte, die mich zutiefst verletzt und verunsichert haben. Einer dieser Sätze war: „Ich finde keinen Herzschlag mehr. Ihr Baby ist tot.“
Worte, wie Speerspitzen.
 
Worte, können das Leben mit Freude und Leichtigkeit füllen, können auch innerlich absterben lassen.
 
Um den Inhalt solcher Worte wirklich verstehen zu können braucht es Zeit. Ich habe viele solcher Worte in meinem Herzen bewahrt und erwogen. Konnte mit dem großen Liebesbeweis meines Mannes vieles durch- und überstehen, auch niederschmetternde Nachrichten nach und nach verkraften.
Doch letztlich kann und konnte auch er mir nie den letzten Halt geben, kann und konnte er mir nicht geben, was meinem Leben wirklich Sinn gibt.
 
Es waren andere Worte, die ich in meinem Herzen bewahrte, erwog und die für mich lebens- und sinnstiftend sind und waren. Worte, die vor langer Zeit wie ein Samenkorn in mein Herz gelegt wurden: Die Zusage Gottes, dass ich sein geliebtes Kind bin. Die Zusage, dass er für mich einen Auftrag in dieser Welt hat. Irgendwann habe ich begriffen, Worte zu bewahren und zu erwägen ist nicht genug. Letztlich müssen Taten folgen. Und so bin ich meinen Weg gegangen: Gegen manche Wiederstände, über Hindernisse und auch mit dem einen und anderen Umweg. Dabei habe ich gelernt, es gibt eine unerschöpfliche Kraft in meinem Leben: die Liebe und mein Glaube.
 
Dieses Wissen hat mich im Leben ankommen lassen. Vielleicht ein wenig wie Maria, die mit den großen Worten der Hirten in ihrem Herzen, ihren Weg mutig und kraftvoll bis zum Ende gehen konnte.
 
Maritta Lieb
Gemeindereferentin in der Seelsorgeeinheit Sigmaringen
und Schulbeauftragte im Erzbistum Freiburg