Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt
Anhand ihrer Lieblingsbibelstelle bei Lukas findet Andrea Ludwig aus der Erzdiözese Freiburg die Erkenntnis: Gott weiß wie sich das menschliche Leben anfühlt. Und gerade deshalb kann sie auf diesen Gott vertrauen.
„Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte,
und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen.
Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe,
weil in der Herberge kein Platz für sie war.“
Lukasevangelium 2,7
Das ist schon immer meine Lieblingsstelle in der Weihnachtsgeschichte.
Gott wird Mensch – und gleich eingewickelt. Alles an dieser Geburt ist wunderbar, fast märchenhaft. Die kleine Familie, arm und mittellos, findet keine Unterkunft für die Geburt. Die ersten Gratulantinnen und Gratulanten, genauso arm und ohne Dach über’m Kopf. Und dann: bäng! Engel, himmlische Heerscharen, lautes Singen und Lobpreisen. Die kleine Familie hat kaum Zeit zum Luftholen, da kommen auch schon die Sterndeuter mit unfassbaren Geschenken – von denen dann allerdings nie mehr die Rede sein wird – und dann müssen die drei auch gleich flüchten.
Gott wird Mensch – und die Geschichte darüber ist eine echte Heldenreise, eine Abenteuerstory. Doch das alles hat nicht viel mit mir zu tun. Sowas passiert mir nie. Ich bin nämlich ganz gewöhnlich.
Gott wird Mensch – und gleich eingewickelt. Die Windeln sind das einzig gewöhnliche in dieser Geschichte. Wie jedes andere Kind auch wird das Jesuskind eingewickelt. Es braucht Schutz und es muss erzogen werden. Von Gottes ersten Jahren als Mensch erfahren wir sonst nix. Ein ganz normaler Junge, dieser Jesus. So wie du und ich. Beruhigend irgendwie. Gott lässt sich einwickeln, einspinnen, einbinden in das menschliche Leben, in den Alltag, teilt Höhen und Tiefen. Gott – einer von uns! So kommt Gott mir nahe, sehr persönlich nahe.
Das macht vieles leichter, denn Gott gibt sich zu erkennen. Ja, Gott bleibt der ganz andere, aber das erschreckt mich nicht. Im Gegenteil: Gott weiß wie sich das Leben anfühlt, das menschliche Leben. Gott kennt Angst und Verzweiflung, Freude und Übermut, Zorn und Zärtlichkeit aus eigener Anschauung. Ich auch. Diesem Gott kann ich vertrauen, auf diesen Gott kann ich mich verlassen. Ich kann sicher sein, dieser Gott weiß, wie schwer es manchmal ist, nicht aus der Liebe zu fallen. Dieser Gott weiß, wie überströmendes Glück sich anfühlt.
Mein Gott ist mein Gott, weil er mich kennt – aus eigenem Erleben. Für Gott ist das nicht wichtig, der weiß das alles auch so. Für mich ist das wichtig, weil es mir eine Tür öffnet auf ihn hin. An Weihnachten zeigt sich Gottes Liebe, schimmert sein Licht durch einen ersten kleinen Türspalt.
Andrea Ludwig
Gemeindereferentin in der Seelsorgeeinheit Vogtsburg
Erzdiözese Freiburg
