
Johannes 3,16
Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere von uns noch an die alte Rede vom „lieben Gott“ und weiß zugleich, wie angreifbar dieser Gedanke immer schon war. Nicht umsonst ist diese Redensart heute weitgehend verschwunden. Oft genug ist sie vom Ruf nach einem guten Gott für unsere in vielerlei Hinsicht so gequälte Welt abgelöst worden.
Das Johannesevangelium schreibt davon, dass Gott seinen Sohn hingab. Hingabe ist kein einfaches Wort: Da ist eine Gabe, ein Geschenk, das zugleich den Charakter eines schmerzlichen Verlustes in sich trägt. Das Evangelium weist mit diesem Wort darauf hin, dass Gott in Jesus der Welt auf eine ganz andere Weise begegnet als es etwa das Wort vom „lieben Gott“ erahnen lässt. Jesus betritt die Welt als Obdachloser und Flüchtling, er verlässt sie als Ausgestoßener und Verbrecher. Da wird wenig Seligkeit oder glückliche Erinnerung spürbar, sondern eher die schonungslose Wirklichkeit, in der Gott und Welt sich begegnen.
Zugleich verbindet das Evangelium das Wort von der Hingabe mit der Liebe Gottes. Die Hingabe gründet in der Liebe.
Aber dieser Gott der Hingabe, der Gott-mit-uns (Immanuel) kommt nicht einfach, um da zu sein. Seine Liebe und seine Hingabe, seine Ankunft, sein Leben, Sterben und Auferstehen haben einen Sinn: Menschen sollen in dieser Welt nicht zugrunde gehen.
Jesus, dessen Geburt wir feiern, erkennen wir in den vielen Menschen auf der Flucht, in den Notleidenden und Bedrängten. Keiner soll zugrunde gehen. Jeder soll Heimat erfahren – denn jede Heimat ist ein Bild für jenes ewige Leben, für das Gott seinen Sohn hingegeben hat.
Wir wünschen Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest 2015!

