Da begann Petrus zu reden und sagte: Wahrhaftig, jetzt begreife ich,
dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist,
wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.
Er hat das Wort den Israeliten gesandt,
indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus:
Dieser ist der Herr aller.
Apostelgeschichte 10, 34-36
Was ich unter anderem aus der heutigen Bibelstelle lese ist: Die Botschaft geht alle an. Nicht Abgrenzung, sondern Offenheit und die Bereitschaft, jede und jeden so anzunehmen, wie sie und woher er ist, ist die Grundlage der christlichen Gemeinschaft. Diese Weltoffenheit erscheint mir möglich, wenn ich grundsätzlich jeden Menschen in Respekt und Würde entgegentrete.
Wie das aber umsetzen? Wie einem Menschen mit Respekt und Würde gegenübertreten?
Der hundertste Geburtstag des kleinen Textes „Ich und Du“ von Martin Buber im vergangenen Jahr hatte mich dazu motiviert, diesen nochmal zu lesen. Was mich seitdem neu begleitet und zu möglichen Ansätzen einer Antwort führt:
Buber schreibt, dass es kein ICH ohne die Grundbeziehung von ICH-DU bzw. ICH-ES gibt. Und er weist darauf hin, dass die beste und schwierigste Form die ICH-DU Beziehung ist. Sie allein schafft wirkliches Leben und – für mich ganz wichtig - sie ist auch der „Durchblick zu ihm“. Im DU spreche ich den an, den wir Gott nennen.
Wenn ich ein DU im Sinne Buber zulasse, dann müsste sich doch die Beziehung zwischen uns Menschen verändern. Oder?
Gerade lese ich die Bibel ausgehend von dieser Überlegung. Und wenn ich im Stress des Alltags unterwegs bin und anhalte, versuche ich mein Beziehungsgeschehen danach abzuklopfen. Und ich denke: Manchmal verändert sich dadurch etwas. Zaghaft, eher von mir nur ahnend und hoffend – aber ist das nicht ein Anfang?
Das ICH-DU als zentraler Aspekt meines Lebens. Das ICH-DU als Grundlage meines Denkens und Handeln. Kann ich dann noch über den Anderen lästern, angesichts dieser Überlegung? Kann ich den Anderen angesichts dieser Idee noch diffamieren, mit Worten oder gar Taten töten? Die Fragen mögen utopisch klingen oder (welt-)fremd. Aber hier finde ich gerade Hoffnung, um all das, was geschieht, zu ertragen.
Ein Beitrag von Björn Siller, Referent für die Pastoral im Internet in der Erzdiözese Freiburg für Advent-Online, dem ökumenischen Adventsangebot der evangelischen und katholischen Kirchen in Baden-Württemberg.
