Der Theologe, Journalist und Schriftsteller Jochen Klepper schrieb 1938 das Adventslied „Die Nacht ist vorgedrungen“. Verfolgt durch das Nazi-Regime findet er trotzdem Worte für Trost und Hoffnung.
Die Nacht ist schon im Schwinden,
macht euch zum Stalle auf!
Ihr sollt das Heil dort finden,
das aller Zeiten lauf
von Anfang an verkündet,
seit eure Schuld geschah.
Nun hat sich euch verbündet,
den Gott selbst ausersah.
Adventslied
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Manchmal setze ich mich abends auf den Balkon, auch wenn es draußen ordentlich kalt ist. Ich richte die Kamera meines Handys auf einen Stern. Und meine Sternen-App zeigt mir, wie der Stern heißt und zu welchem Sternbild er gehört.
Am Nachthimmel hilft mir meine Sternen-App, mich zurecht zu finden. Am Tag nützt sie mir nichts. Wie wunderbar wäre es doch, denke ich, wenn ich mich in meinem alltäglichen Leben genauso sicher bewegen könnte wie am nächtlichen Himmel. Wenn ich wüsste, wo ich loswerde, was mich daran hindert, so zu leben, wie ich es eigentlich will. Wenn ich den Ort kennen würde, an dem ich ans Ziel meiner Sehnsucht nach Leben komme. Ehrlich gesagt, dass das in einem Stall sein könnte, habe ich eher nicht auf dem Schirm. Aber um den Stall geht es auch gar nicht. Vielmehr geht es darum, einen zu finden, der die Umstände meines Lebens ändern könnte. Das geschieht kaum an den Orten, an denen die Kurse des Lebens immer nach oben steigen. Der Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren, liegt in den Randzonen unserer glitzernden Welten. Aber genau deshalb mitten im Leben. Da, wo Menschen darauf vertrauen, dass ein anderer sie hält, wenn sie mit ihren Möglichkeiten am Ende sind. Es sind die kleinen Leute, die Gott besonders im Blick hat. Die Habenichtse. Die Herauskatapultierten. Ein Kind in einem Stall, dessen Zukunft in den Sternen steht.
Das will ich diese Weihnachten im Blick behalten. Mich davon zum Singen verlocken lassen. Gerade auch mit den wunderbaren Worten dieses Liedes von Jochen Klepper. Die Sternen-App lässt mich am Tag im Stich. Aber ich brauche sie auch nicht, um Gottes Nähe zu feiern. Im Stall der Weihnacht. Oder in den kleinen Absteigen des Lebens um mich herum. Im Licht der anbrechenden Weihnacht kann ich mir eingestehen, dass mir das Wesentliche im Leben als Geschenk zufällt. Mehr brauche ich nicht im Advent.
Samstagsgebet
Ewiger Gott,
du hast Himmel und Erde geschaffen,
und alles, was lebt.
Du bist allmächtig
und allgewaltig.
Und dennoch:
Du hast dich ganz klein gemacht
als du in unsere Welt gekommen bist.
Ganz klein,
um Großes zu erreichen.
Ganz arm,
um zu zeigen, was Reichtum ist.
Ganz hilflos,
um zum Helfer zu werden.
Du hast uns gezeigt, wie es auch gehen kann:
Anders.
In Gottes Reich.
Du hast uns gezeigt, wie Gerechtigkeit auch aussehen kann.
Und Frieden.
Komm uns nahe, ewiger Gott.
Komm mir nahe.
Komm mit deiner Liebe und Gerechtigkeit.
Öffne mein Herz
wenn ich mich auf den Weg zum Stall mache!
Schaffe mich neu
wenn ich an deine Krippe trete
und lass dein Licht leuchten in mir!
Amen

