Hoffnungsschimmer

Impuls für den 14.12.2019

Der Theologe, Journalist und Schriftsteller Jochen Klepper schrieb 1938 das Adventslied „Die Nacht ist vorgedrungen“. Verfolgt durch das Nazi-Regime findet er trotzdem Worte für Trost und Hoffnung.

Gott will im Dunkel wohnen
und hat es doch erhellt.
Als wollte er belohnen,
so richtet er die Welt.
Der sich den Erdkreis baute,
der lässt den Sünder nicht.
Wer hier dem Sohn vertraute,
kommt dort aus dem Gericht.

Adventslied

Quelle: Pixabay

Im Dunkeln wohnen – meine Sache wäre das nicht. Ich mag‘s gerne hell und weit und einen schönen Blick aus dem Fenster. Im Dunkeln wohnen – das wären düstere Aussichten und ich würde die Freude am Zuhause verlieren.

Jochen Klepper hat vermutlich weniger an düstere Hinterhof- oder Kellerwohnungen gedacht, als an düstere Zeiten und unerleuchtete Zeitgenossen. An eine Politik und Propaganda, bei der helle Köpfe schwarz sehen und dunkelste Ahnungen peu à peu bedrohliche Realität werden. Zeiten, die durch Angst, Verrat, Verblendung und Feigheit für viele noch dunkler geworden sind. Da muss oder will man durch. Aber doch nicht darin wohnen!

Jochen Klepper, der den Nazi-Terror zu spüren bekommen hat, schreibt dagegen: „Gott will im Dunkel wohnen“. Klepper hat es wohl und hoffentlich so erfahren: Gott will auch in seinem Dunkel wohnen - und im Dunkel der vielen Opfer des Unrecht-Regimes. Und auch die will er nicht im Dunkel sitzen lassen, die sich am Leben und an der Welt versündigen. Gottes Wohnen und Dasein im Dunkel bringt Licht und damit Orientierung und Hoffnung für viele. Aber: Diese Erhellung ist eine Bedrohung für die, die durch dunkle Machenschaften Macht haben und behalten wollen. Im Lichte Gottes scheiden sich die Geister.

Gott jedoch legt niemanden in seinem Dunkel fest: „Der sich den Erdkreis baute, der lässt den Sünder nicht. Wer hier dem Sohn vertraute, kommt dort aus dem Gericht.“
Vor Weihnachten, so glaube ich, macht es Gott uns etwas leichter, dem Sohn zu vertrauen. Er bietet sich an als Kind – ganz einfach menschlich. Ein Kind, ein Hoffnungsschimmer und Lichtblick. So will Gott auf neue und seine Weise im Dunkel wohnen und wirken – auch durch uns: menschlich, freundlich, gut.

 

Samstagsgebet

Großer Gott,
du hast die Welt geschaffen
Tag und Nacht,
Licht und Dunkelheit
gehorchen deinem Wort.
Du schaffst Leben.
Hauchst ihm Atem ein.

Und ich?
Die Geschenke habe ich fast zusammen.
Die Weihnachtspost ist fast erledigt.
Die Weihnachtsfeiern haben ich fast alle hinter mir.
Der Weihnachtsbaum steht schon fast in der Garage.
Das Festmahl ist schon fast geplant.

Ob du kommst?
Bin ich bereit für dich?
Ich seufze leise.
Ich bin nicht schuldig geworden!
– Höchstens ein ganz kleines bisschen.
Ich lüge nicht!
– Oder nur ganz selten.
Ich gehöre doch zu den Guten!
– Zumindest versuche ich es.
Ich bin nicht nur auf mich selbst bezogen!
– Jedenfalls nicht sehr.
Ich warte auf dich!
– Manchmal.

Nimm mich an die Hand, Gott!
Rücke mich zurecht
– überall da, wo es nötig ist!

Nimm mich an die Hand, Gott
und begleite mich
auf dem Weg zur Krippe!

Amen.

Datei zum Downloaden

Quelle: advent-online


Autor / Autorin
Margret Schäfer-Krebs

Fachreferentin für Liturgie und Ökumene, Diözese Rottenburg-Stuttgart

Bei Fragen zu den Impulsen wenden Sie sich bitte an: info@advent-online.de