Anders als du denkst …

Impuls für den 05.12.2019

In Athen diskutiert Paulus mit den Griechen über Gottesvorstellungen. Sein Bild eines einzigen allmächtigen Gottes widersprach den Vorstellungen der Athener.

Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind. Er hat aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen, damit es die ganze Erde bewohne. Er hat für sie bestimmte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnsitze festgesetzt. Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern. Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir.

Apostelgeschichte 17,24.26-28a

Quelle: Pixabay

Ist irgendwie blöd oder? Gott passt manchmal so gar nicht in unser Bild von ihm – oder ihr. Die Athener jedenfalls waren keine dummen Leute. Dort lebten die gelehrtesten Köpfe der damaligen Welt. Die griechische Philosophie der Antike zählt ja nicht ohne Grund bis heute zu den größten Errungenschaften der Menschheitsgeschichte. Auch die Götterwelt der Griechen hatte es in sich. Ein ganzer Kosmos voller Geschichten, Bilder und Mythen, die tiefsinnige Lebensweisheiten in sich trugen.

Und dann taucht da ein kleiner, schmächtiger Jude auf, der vermutlich einen Sprachfehler hatte, mitten auf dem Areopag – dem Herzen Athens – und stellt diese geistreiche Welt infrage.

Es muss sich wie ein Witz angehört haben: Keine Welt voller Götter, sondern nur ein Gott mit einer Welt. Keine heroische Heldenfigur, sondern ein Entrechteter am Kreuz. Kein Mensch, der Gott werden wollte, sondern ein Gott, der Mensch wird.

Schwachheit statt Stärke, Niedrigkeit statt Hoheit, Vergebung statt Vergeltung: Die Welt steht Kopf.

Alles Suchen, Ertasten und Finden der menschlichen Weisheit hat Gott nicht erkannt. So hoch unsere Gedanken auch stiegen, so kompliziert, so raffiniert … wir fanden ihn nicht. Und doch, keinem von uns ist er fern … Vielleicht ist es genau das: Gott ist da, wo wir leben, uns bewegen, wo wir einfach sind. In unserer Schwachheit. In unserem Mitgefühl. In unserem Menschsein.

Manchmal ist Gott eben anders, als unser Bild von ihm - oder ihr. Gott sei Dank.

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Quelle: advent-online


Autor / Autorin
Mathias Goseberg

Pfarrer, Evangelische Landeskirche in Baden

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