Da ging jeder in seine Stadt

Für Jennifer Berger, Pfarrerin der evangelischen Landeskirche in Württemberg, stellt sich die Frage wo der Ort ist, an dem wir an Weihnachten sein wollen und mit wem wir dort sein wollen. 

 
 
Da ging jeder in seine Stadt.
Lukas 2,3
 
Sie haben den Befehl erhalten in ihre Stadt zu gehen und alle ziehen sie daraufhin los. Josef aus Galiläa aus der Stadt Nazareth geht los ins judäische Land, nach Bethlehem. Er geht nicht alleine, er nimmt Maria, seine hochschwangere Frau mit. Und tatsächlich kommen sie auch an, in seiner Stadt.
 
Wo würden wir denn hingehen, wenn wir den Befehl hätten, dass jeder/jede in seine/ihre Stadt gehen soll? So eindeutig wie damals ist das gar nicht mehr. Ist unsere Geburtsstadt „unsere“ Stadt? Oder die Stadt, in der wir am längsten gewohnt haben? Oder die Stadt, in der wir Abschied genommen haben, von unseren Lieben, die schon gestorben sind?
 
„Driving home for christmas“, was Chris Rea 1986 textete und sang und was auch in diesem Jahr wieder in den Radios hoch und runter läuft, das ist ein bisschen „da ging jeder in seine Stadt“. An Weihnachten wollen wir nach Hause gehen bzw. zuhause sein. Zuhause ist der Ort, an dem wir Geborgenheit spüren, die besinnlichen Tage genießen können, wo Menschen sind, die wir lieben und die uns lieben. Das muss nicht immer Familie sein. Manchmal ist es Familie vielleicht gerade nicht. An Weihnachten wollen wir dort sein, wo wir „wir“ sein können. Und da ist es gut, wenn wir uns rechtzeitig aufmachen auf diesen Weg zu uns.
Für Josef und Maria war der lange Weg von Nazareth nach Bethlehem beschwerlich. Sie hochschwanger, wegen des Altersunterschieds wurden sie sicher von vielen komisch angesehen. Es gab keine Übernachtungsplätze, der Weg war anstrengend. Aus vielen Krippenspielen kennen wir die Mühen, die Maria und Josef auf sich nehmen mussten, um in seine Stadt zu kommen.
 
Sie haben auf diesem Weg aber bestimmt einiges über sich gelernt. Und am Ende sind sie angekommen. Und wir können dazu beitragen, dass auch wir uns aufmachen und ankommen. Dazu müssen wir herausfinden, wo unsere Stadt ist, wo wir hingehen müssen. Wo der Ort ist, an dem wir an Weihnachten sein wollen, damit wir ein Gefühl von Ankommen haben und uns ganz einlassen können auf das, was da passiert. Was Gott uns schenkt mit seinem Sohn.
 
Welche Menschen wollen wir um uns herum haben, wen brauchen wir? Wen brauchen wir vielleicht gerade nicht? Braucht es den Ort der Kindheit oder vielleicht doch einen ganz anderen? Wo können wir „wir“ sein und uns gut fühlen?
Weihnachten wird es so oder so und Gott besucht uns in der kleinsten Hütte und unter den widrigsten Umständen. Aber wir können selbst dazu beitragen, dass wir in „unserer Stadt“ sind und es uns damit gut geht und wir einfach ankommen können.
 
Pfarrerin Jennifer Berger, Stuttgart, Berufliche Schulen
Evangelische Landeskirche in Württemberg
 
 
 
 
 

Jennifer Berger

Jennifer Berger, Pfarrerin in Stuttgart, Evangelische Landeskirche in Württemberg

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