Und als Jesus im Haus des Matthäus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern.
Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern:
Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?
Er hörte es und sagte:
Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.
Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.
Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.
Matthäus 9,10-13

An einem Tisch sitzen und gemeinsam Essen. Geschieht dies im Rahmen der Familie oder im Freundeskreis, dann werden oft ganz vertraute und intime Gespräche geführt.
Am Tisch mit fremden Personen sind es ganz andere Themen, über die gesprochen wird. In der Adventszeit gibt es viele verschiedene Tischgemeinschaften, zu denen wir einladen oder eingeladen sind; dies geht vom Familienessen über das Essen mit Freunden bis hin zum Adventskaffee oder Geschäftsessen. Da ist vermutlich so mancher Pflichttermin dabei, der mehr oder weniger schwerfällt.
Essen und Gemeinschaft haben ist etwas Besonderes; das ist mehr als nur ein Gespräch führen. Das Essen wird geteilt, so wie die Gespräche, die dabei stattfinden.
Es wird uns nicht berichtet, was Jesus mit den Zöllnern und Sündern gesprochen hat. Das ist offensichtlich gar nicht so wichtig. Allein die Tatsache, dass er mit ihnen an einem Tisch sitzt, sorgt für Aufregung. Es wird hinter seinem Rücken über ihn gesprochen, so dass er selbst es sogar hört. Eine peinliche Situation.
Jesus ist souverän. Auf die ihm nicht gestellte Frage gibt er eine klare Antwort: Am Tisch sein, Gemeinschaft leben, Essen und Gespräche teilen – nicht, weil dahinter ein Muss steht, sondern aus Barmherzigkeit heraus.
Für Jesus heißt dies: vom Herzen her denken und handeln, mit ganzem Herzen da sein. Eine solche Anwesenheit ist gleichzeitig eine prophetische Anwesenheit. Dies bedeutet, offen zu sein für Gottes Wirken. Da bekommen für mich die noch anstehenden Pflichttermine plötzlich eine ganz neue Bedeutung.

