Einer von uns

Impuls für den 13.12.2017

Da wir nun einen erhabenen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten. Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat. Lasst uns also voll Zuversicht hingehen zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit.
Brief an die Hebräer 4,14-16
 
 
Der eine lag mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus. Den anderen, Chefarzt einer Klinik in der Schweiz, hatte es mit einer komplizierten Fraktur am Wadenbein etwas schwerer erwischt. Er hatte einige Wochen mit OP, Gips und Physiotherapie vor sich.

In diesen Wochen sollte er den Krankenhausalltag von der anderen Seite kennen lernen.
Er war plötzlich nicht mehr der, auf den alle warteten und der Anweisungen und Ratschläge gab.
Er war nun selbst auf die Hilfe anderer angewiesen, musste nach dem Pflegepersonal klingeln und sich „den Händen anderer“ anvertrauen. Für den Chefarzt eine doppelt schwere Zeit!

Als er mehrere Wochen später selbst wieder in seiner Klinik aktiv war, stellten seine Kollegen und Mitarbeiterinnen die eine oder andere Veränderung an ihm fest, die sicherlich mit seinen Erfahrungen als Patient zu tun hatten.
Erstaunlicher war jedoch die Wirkung dieses Mediziners auf seine Patienten, denen er – in aller Kürze – gerne von seiner Verletzung erzählte.
Irgendwie schien dieser Mann für sie plötzlich „einer von ihnen“ geworden zu sein, der wusste, wie es sich anfühlt, im Krankenbett zu liegen, Angst vor der Narkose und OP zu haben, sich hilflos, machtlos in die Hände anderer zu geben. Und gerade das brachte ihm das Vertrauen seiner Patienten ein.

Vielleicht nehmen wir die Menschwerdung Gottes, die wir in einigen Tagen feiern, als Einladung an, diesem Gott (wieder mehr) zu vertrauen. Auch er wurde schließlich „einer von uns“ – ein Retter, der sich retten ließ!
Autor / Autorin
Volker Schwab

Gemeindereferent, Erzdiözese Freiburg

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