Am Kreuz

Impuls für den 21.12.2016

Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns! Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst. Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.
Lukas 23,39-43
 
Quelle: unsplash/veeterzy
 
Mein Vater hat zu Lebzeiten diese Situation immer ungerecht genannt. Warum kann sich einer mit einem einzigen Ruf vor der gerechten Strafe retten? Seine schlichte Frage war: Warum soll ich mich anstrengen ein guter Mensch zu sein, wenn man sich mit einem Trick retten kann?

Die drei an ihren Kreuzen sterben. Geht es da noch darum, ob einer den Tod verdient hat? Das ist in der Situation völlig egal! Zwischen ihnen und dem sicheren Tod stehen nur noch einige endlose Stunden sinnloser Qualen. Das Gespräch der Drei hat etwas Unwirkliches an sich.

Der eine bleibt sich treu, indem er Jesus verhöhnt. Seine Rede klingt wie ein letzter trotziger Ruf nach Hilfe. Vielleicht gibt es einen Trick, um dem Tod von der Schippe zu springen. Aber auch der andere steht zu sich selbst: In einem letzten Aufblitzen menschlicher Gerechtigkeit nimmt er seine Strafe an: „Wir haben es nicht besser verdient!“

In genau diesem Aufblitzen begegnen sich menschliche und göttliche Gerechtigkeit.

Da spricht sich einer nicht einfach sein eigenes Urteil zu. Hier zeigt sich eine tiefe Traurigkeit über das eigene gescheiterte Leben. Es gibt nichts mehr zu richten oder zurechtzurücken. Es bleibt nur noch der ehrliche Abschied von den Scherben des eigenen Lebens.

In genau dieser Mischung von Traurigkeit und Ehrlichkeit blitzt die Gerechtigkeit Gottes auf: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ Der Mann hat das nicht verdient. Aber er steht zur Strafe seines Lebens und damit zur Gerechtigkeit der Menschen. In genau diesem Augenblick eröffnet ihm Jesus eine ganz neue Perspektive.
 
Autor / Autorin
Dr. Thomas Dietrich

Pfarrer, Leiter der Abteilung Sozialpastoral im Erzbischöflichen Seelsorgeamt, Erzdiözese Freiburg

Bei Fragen zu den Impulsen wenden Sie sich bitte an: info@advent-online.de