der Arme leidet Unrecht und muss um Gnade bitten.
Bist du ihm nützlich, ist er um dich bemüht,
brichst du zusammen, lässt er dich im Stich.
Hast du etwas, gibt er dir schöne Worte,
doch er macht dich arm, ohne dass es ihm Leid tut.
Hat er dich nötig, schmeichelt er dir,
er lächelt dir zu und macht dir Hoffnung.
Solange es Vorteil bringt, hält er dich zum Besten,
zweimal, dreimal täuscht er dich.
Sieht er dich dann wieder, geht er an dir vorbei
und schüttelt den Kopf über dich.
Jesus Sirach 13, 3-7

Das ist heftig. Das ist von einem Extrem ins andere. Wehe dem, der so richtig schön reich ist. Muss mir da nicht angst und bange werden? Wie kann ich einem trauen, von dem ich weiß, dass er gut betucht ist?
Aber wer von uns ist heutzutage so richtig arm?
Zu wem zähle ich mich? Liegt es daran, dass ich noch nie betteln musste, auch nicht um Gnade?
Wirklich? Vielleicht verdränge ich auch das eine oder andere. Oder ich will es nicht wahrhaben.
Wenn ich um Vergebung bitte. Wenn ich vor Angst innerlich zittere. Wenn ich auf das erste, wieder zugewandte Wort sehnlichst warte, weil ich mich verstrickt hatte.
Wenn ich nur noch hoffen kann?
Wer bin ich? Wer ist der Ärmere, der „Reiche“ oder der „Arme“? Öffnet mir der Reiche die Augen oder der Arme?
Wie schnell weiß ich etwas besser. Wie oft bin ich versucht, andere die Kohlen aus dem Feuer holen zu lassen. Wie schnell verstecke ich mich hinter ihnen, weil mir der Mut fehlt. Oder ich schiebe ihnen die Rolle zu, weil ich mich nicht traue. Wer soll die Initiative ergreifen? Wer übernimmt das Risiko, zurückgewiesen zu werden?
Es kann auch ganz schön bequem sein, sich als der Arme einzurichten und den anderen zum Reichen zu machen, der die Schuld zugewiesen bekommt.
Was also ist arm? Und was ist reich?
Bei Jesus heißt es einmal: Wer ist wie ein Kind, hat das Himmelreich.
Wie sehr ist das Kind bei sich. Und keiner braucht den anderen um des eigenen Vorteils willen. Kommt Gott deshalb als Kind? Damit ich fühlen kann, wie reich ich bin? Dann ist das Advent: sich der eigenen Größe und inneren Freiheit wieder gewahr zu werden. Und zu lieben. Wie Gott, der reich und arm zugleich sein kann. Wie ich auch.

