Öffne deinen Mund für den Stummen,
für das Recht aller Schwachen!
Öffne deinen Mund, richte gerecht,
verschaff dem Bedürftigen und Armen Recht!
Sprichwörter, 31, 8-9

„Das ist ungerecht!“, grummelt man in sich hinein, wenn man vom Chef für die Fehler der Kollegin verantwortlich gemacht wird. „Das ist ungerecht!“ ruft man laut hinaus, wenn man sich im Fußballstadion mit der Masse der Fans beim Schiedsrichter wegen einer falschen gelben Karte beschwert. Aber jetzt mal ehrlich: Was ist denn wirklich ungerecht? Wer hätte das Recht, diesen Satz laut zu schreien und wo schreie ich mit? Der Spruch für heute gibt mir einen deutlichen Hinweis, und in der Bibel kann ich immer wieder davon lesen.
Gott ist ein Gott der Gerechtigkeit und wünscht sich, dass ich mich einsetze für die Schwachen und Unterdrückten. Denn es ist ungerecht, dass Menschen ihre Macht missbrauchen, um andere leiden zu lassen. Es ist ungerecht, dass manchen Dinge weggenommen werden, auf die sie ein Recht haben: Leben, Freiheit, Würde, der Ertrag ihrer Arbeit. Und wenn ich mir das bewusstmache, möchte ich mit einstimmen in diesen Ruf. Aber ich tue es so selten.
Wann mache ich mir über die Ungerechtigkeiten in dieser Welt und vor meiner Haustür Gedanken? Und wie soll ich darauf reagieren? Auch hier bringt mich der Text auf die Spur: Ich soll meinen Mund öffnen, diesen Menschen eine Stimme verleihen. Sie im Gebet vor Gott bringen aber auch in meinem Leben darüber sprechen, so wie Lemuël. Seine Mutter hat ihm den Hinweis gegeben: So handelst du richtig, so handelst du wie Gott es sich wünscht! Wenn du dich für die Schwachen einsetzt und ihnen eine Stimme verleihst. Und er gibt diese Worte weiter an seinen Sohn.
Es sind nicht immer die großen Taten, die etwas verändern. Oft sind es die Dinge, die wir unseren Kindern und Freunden weitergeben, die wirklich etwas verändern können.

