Ganz schön zu knabbern

Impuls für den 19.12.2016

An einem Sabbat ging er durch die Kornfelder und unterwegs rissen seine Jünger Ähren ab. Da sagten die Pharisäer zu ihm: Sieh dir an, was sie tun! Das ist doch am Sabbat verboten. Er antwortete: Habt ihr nie gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren und nichts zu essen hatten – wie er zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar in das Haus Gottes ging und die heiligen Brote aß, die außer den Priestern niemand essen darf, und auch seinen Begleitern davon gab? Und Jesus fügte hinzu: Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat.
Markus 2, 23-27
 
Quelle: Pixabay
 

Als ob wir sonst keine Probleme hätten! Ganz ehrlich, ging es Ihnen beim Lesen dieses Abschnittes nicht vielleicht auch so? Da leidet die Welt auch in dieser Adventszeit wieder unter Kriegen, fürchten Menschen um ihr Leben, liegen Ihnen vielleicht heute Morgen ganz eigene Probleme auf der Seele und die „Kirchenmenschen“ haben keine anderen Probleme, als ob man nun Ähren ausreißen darf oder nicht. Als ob das wirklich etwas ändern würde.

Ja, die Pharisäer streiten sich mal wieder mit Jesus. Unzählige Diskussionen hat er schon mit ihnen geführt, wollten sie ihm schon manche Falle stellen. Und doch führt Jesus immer wieder diese Gespräche, lässt er sich immer wieder anfragen und rechtfertigt sein Tun. Ja er stellt die Gebote Gottes in den viel größeren Rahmen, dass Gott zuerst und vor allem das Leben in Fülle für jeden Menschen will.

Als ob wir sonst keine Probleme hätten! Das mag angesichts der Ähren stimmen. Aber wie viele Probleme meines Lebens würden zumindest leichter gelöst, wenn ich mich wirklich auf ein Gespräch einlasse? Wenn ich nicht schon vorher genau zu wissen glaube, was der anderer sagen will?

Mich fasziniert Jesus gerade in solchen scheinbar nicht so zentralen Stellen immer wieder. Er verliert fast nie die Geduld, kein Gespräch ist ihm zu unbequem, ja kein Argument zu sehr an den Haaren herbeigezogen, dass er sich nicht auf ein Gespräch einlässt.

Als ob wir sonst keine Probleme hätten. Also ehrlich gesagt habe ich an dieser Geduld Jesu ganz schön zu knabbern. Dann richtet mich nur die Einsicht auf, dass er diese Geduld auch mit mir und meinen manchmal so kleinen Problemen hat.

 

Autor / Autorin
Thomas Weißhaar

Offizial der Diözese Rottenburg-Stuttgart

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