Große Worte

Impuls für den 22.12.2015

Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht. Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein. Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.
Römer 8,31b-35.38-39

So große Worte zwei Tage vor Heilig Abend. Gott schenkt uns alles. Niemand kann uns anklagen. Und rein gar nichts vermag uns von Gottes Liebe zu trennen.

Große Worte, die Paulus uns kurz vor Weihnachten mit auf den Weg gibt. In zwei Tagen können wir in den Gottesdiensten hören: Die Liebe Gottes liegt in einer Krippe in einem Stall. Und nichts kann uns von ihr trennen, keine Macht der Welt, rein gar nichts.

Doch gefühlt kann mich heute doch manches trennen von dieser Liebe. Der Stall kann verschlossen erscheinen und ich stehe draußen. Manchmal denke ich mit gemischten Gefühlen an den bevorstehenden Heilig Abend.
Vielleicht war der Abend wenig friedlich in den vergangenen Jahren. Vielleicht schmerzt die Erinnerung an Menschen, die früher mitgefeiert haben und die jetzt fehlen. In den Worten des Paulus: Bedrängnis und Not, Tod, Gewalten der Tiefe – das kann sehr konkret sein. Das kann mir das Gefühl geben, getrennt zu sein von der Liebe.

Was sagen mir dann diese großen Worte des Paulus? Sind sie nur ein frommer Wunsch jenseits einer verschlossenen Stalltür?
Ich glaube nicht. Wenn die großen Worte wahr sind, dann ist schon der Gedanke an eine Stalltür ein Irrtum. Wenn Paulus recht hat, gibt es keine Stalltür.

Wenn gewiss sein soll, dass weder Tod noch Leben, noch sonst irgendetwas mich von der Liebe Gottes scheiden kann, dann steht die Krippe mitten in meinem Leben.

Mitten in meiner Bedrängnis, Not und Trauer – hier steht die Krippe. Ja, in allem Zerbrochenen, Sorgenvollen, Fragenden ist die Krippe schon da. Dann gilt wirklich: Durch nichts, rein gar nichts, bin ich zu trennen von der unermesslichen Liebe, die mir in dieser Krippe begegnet.

Autor / Autorin
Dr. Frank Dettinger

Pfarrer in Ditzingen, Evangelische Landeskirche in Württemberg

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