
Lukas 23,39-42
Der Messias war gekreuzigt, Staunen hatte die Schöpfung ergriffen, die Welt ward erschüttert und die Engelchöre hielten inne im Lobe Gottes. Überwältigt waren sie und konnten kein Wort hervorbringen. Dann zogen sie sich in die Höhe zurück und der König war nun allein und verlassen. Keine Legion vom Hause unseres Vaters kam ihm zu Hilfe und keine Schar von Himmelsbewohnern umgab ihn. Nicht gaben ihm die Cherubim das Geleit nach Golgatha und kein „Heilig“ ward ihm von den Seraphim zugerufen, da er am Kreuze erhöht war.
In jener Zeit bekannte niemand seinen Glauben an den gekreuzigten König außer jenem, der ihn in seinem großen Leiden anflehte. Denn keine andere Stimme richtete eine Bitte an ihn, weder aus der Tiefe noch aus der Höhe drang ein Laut an sein Ohr: Einzig und allein der Räuber zu seiner Rechten erhob laut seine Stimme zur Höhe des Kreuzes und ward gleichsam der Mund der Ober- und Unterwelt zugleich durch die Worte seines Bekenntnisses. Er allein kämpfte gegen den Irrtum, und keine andere Stimme gab es, die ihm zu Hilfe gekommen wäre. Mit Energie und Festigkeit achtete er nicht auf den Anstoß, den er erregte, und ergriff die Partei des Glaubens durch sein lautes Bekenntnis. Von der Höhe des Kreuzes richtete er seine Stimme an Jesus und setzte die Himmlischen in Staunen durch den Mut, den er bewies.
Damals war das Gotteslob aus jedem Mund entwichen und alle Kehlen waren verstummt für das Bekenntnis des Glaubens. Allgemein herrschten Ärgernis und Zweifelsucht bei den Zuschauern und bei den Gottesleugnern fand man nur Hohn und Spott. Sogar bei den Aposteln war der Glaube schwach geworden, denn der Geist der Traurigkeit hatte ihr Herz mit Furcht erfüllt. In dieser Zeit, da sogar die Treuesten von Zweifeln heimgesucht wurden, da erhob sich der Räuber, um rückhaltslos seinen Glauben an den Sohn Gottes zu bekennen.

