
1 Johannes 4, 18-19
Liebe Verfasser des Johannesbriefes!
Ich schreibe euch heute diese Zeilen zurück, weil ich ins Grübeln gekommen bin über das, was ihr uns da ins Stammbuch geschrieben habt: „Furcht gibt es in der Liebe nicht“. Dazu fallen mir aber dann doch einige Situationen ein, die mir in meinen Beziehungen ganz schön Angst gemacht haben und mich auch heute immer noch und immer wieder neu herausfordern, mein Leben zu meistern.
Ich frage mich: Was ist eigentlich „Liebe“? – Agape, Caritas – so, wie ihr das im griechischen bzw. lateinischen Text aufgeschrieben habt? Ich denke spontan an die sanften Ausdrucksformen der Liebe: an unsere Kinder, die sich zärtlich an uns – Mutter und Vater – kuscheln; an uns als ein Paar, das sich gefunden hat und „Ja“ zueinander sagt – in guten und in schweren Tagen. Liebe ist etwas Zärtliches, Sanftes, Kraftvolles, Verschmelzendes. Ja, wenn zwischen zwei Personen so eine Vertrautheit entsteht, dann ist das etwas Göttliches. Das muss eine Himmelsmacht sein!
Wenn ihr hier schreibt: „Gott ist Liebe“, dann ist das eine grundlegende Aussage über das Wesen Gottes. Liebe ist nicht nur ein Wort. Liebe ist nicht allein das, was in Hollywoodfilmen und Vorabendserien flimmert. Liebe, das sind Wort und Taten. Wir können sie erkennen am Handeln Gottes, wie es uns in der Bibel überliefert ist: vor allem am Handeln und Zeugnis Jesu Christi, in seiner Botschaft für die Menschen, damals wie heute.
Ja, in der Liebe, im Tun und im Leben der Liebe wird vieles vom Wesen Gottes offenbar. Liebe ist ein Geschenk, nicht machbar und nicht berechenbar. Dann kann ich auch verstehen, was es heißt: „Wir wollen lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat.“ Ohne seine Liebe, ohne die Liebe von Menschen gäbe es mein Leben ja nicht: Menschen, die Gottes Liebe vertrauen und Liebe leben. Und so wird durch meine Liebe auch etwas von Gottes Liebe lebendig – heute und zukünftig!
Danke für eure liebenswürdigen und ermutigenden Worte sagt
Euer Clemens

