Herrliche Aussicht

Gedanken zum Tag, 22.12.2025

Die Hoffnung, die bleibt. Trotz allem! Der Advent ist Tankstelle, Weihnachten die Zeit um eine Sicherheit zu erhalten. 

Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht
und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen.
Wenn (all) das beginnt, dann richtet euch auf,
und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.

Lukas, 21,27f
 
 
Im Advent freue ich mich auf Tannengrün und Plätzchenduft, Kerzenlicht und altbekannte Lieder. Die Erinnerung an das Kind im Stall und die alten, vertrauten Bilder und Gebräuche, die damit verbunden sind, schenken Geborgenheit und Heimat.
 
Das Lukasevangelium hat hier nicht diese Erinnerung im Blick, sondern die Zukunft. Es beschreibt ein Szenario, das im Advent überrascht: Man wird den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen! So hat man vor 2000 Jahren den endgültigen Advent beschrieben.
Die alltäglichen Lebenserfahrungen von Christen, die nicht in Sicherheit und Wohlstand lebten wie ich, ließ sie das baldige Ende der Welt befürchten, vielleicht auch erhoffen. Mit apokalyptischen Bildern malten sie sich das aus. Auch wenn dieses Ende bisher so nicht eingetreten ist, weiß ich doch, was Weltuntergangsstimmung ist. Klimaerwärmung, Kriege und Finanzkrise(n), globale Umwälzungen und die Katastrophen im persönlichen Leben – wer kommt da noch mit?
 

Jesus setzt dem entgegen: Zieht nicht die Köpfe ein, richtet euch auf! Befreiung kommt, Erlösung naht!
Nicht um Vernichtung und Untergang geht es, wenn Christus wiederkommt – aber auch nicht um Gemütlichkeit. Worauf ich mit vielen Christen hoffe und warte, das ist die endgültige Rettung aus allem, was das Leben schwer und traurig, rätselhaft und bruchstückhaft, schuldig und unerträglich macht. Das ist die große Hoffnung des Advents, über Weihnachten hinaus. Christus kommt. Wann genau, weiß niemand. Aber wenn es soweit ist, wird für uns alles gut.
In diese Richtung kann ich jetzt schon gehen und will mich deshalb im aufrechten Gang üben – denn die Aussicht ist herrlich!

 

Erika Schlatter-Ernst
Evangelische Landeskirche in Württemberg
Beitrag aus dem Jahr 2014