
Lukas 1, 30-33
Marias Rolle in der Heilsgeschichte unterscheidet sich kaum von der Rolle so vieler Frauen der Weltgeschichte. Frauen empfangen, gebären und je nach kulturellen Gepflogenheiten geben sie dem Kind einen Namen. Sind wir – Frauen – also ein wenig Maria?
Ich finde: ja! Und ich würde sogar sagen: auch alle Männer sind ein wenig Maria. Männer zeugen, stehen Frauen bei und benennen ebenfalls Kinder. Und wie Maria und die Frauen im Allgemeinen lassen sie es in der Regel damit nicht bewenden, sondern wickeln diese Kinder, beruhigen, schützen und erziehen sie.
Aber hier geht es nicht um die besondere Verantwortung von Eltern gegenüber ihren Kindern, sondern um eine klare Zuweisung: Du Mensch, tu, was in deinen Bereich gehört! Tu, was anliegt! Stell dich deiner Aufgabe, mehr wird von dir nicht verlangt! Alles andere erledigt Gott.
Dass dieses Kind eines Tages Sohn des Höchsten genannt werden wird, dass es herrschen wird in Ewigkeit – all das kann Maria eigentlich gar nicht beeinflussen. Sie kann zumindest nichts dazu tun.
Kann ich mir das auch sagen lassen? Dass ich erledige, was mir aufgegeben ist?
Die Zusammenhänge in meinem Leben und in der Welt sind so komplex, und Gerechtigkeit kann sich so selten gegen Macht und Profitgier durchsetzen. – Manchmal möchte ich resignieren, weil nichts vorwärts zu gehen scheint. Aber: Nicht ich muss die Welt retten, Gott rettet. Mein Part dabei ist einfacher: Mich meinen Aufgaben stellen. Und Gott das Wunder zu überlassen, aus zarten Anfängen neue Wirklichkeit zu schaffen.

