
Jesaja 42, 1-3
Behutsame Worte, vorsichtig formuliert. Mit Zartgefühl niedergeschrieben. Verhaltene Bilder, leise Töne. Zeitlos scheinen sie an Menschen gerichtet, denen es so schlecht geht, dass selbst das Hoffen schwierig bis unmöglich geworden ist. Vielleicht ist der Silberstreif am Horizont trotz allem nicht näher gekommen, vielleicht ist einfach keiner da.
Im Advent, der Zeit der Vorfreude und Hoffnung, lenken die Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja meine Gedanken weg von Lichtern und Liedern auf das, was den Weg durch den Advent beschwerlich machen kann: Eine Sensibilität für das, was nicht in Ordnung ist auf unserer Welt und in meinem Leben, was ich mir anders wünsche. Und besonders für das, was nie mehr so sein wird, wie es einmal war – zerflossenes Glück vergangener Tage, jemanden, den ich gerne dabei hätte auf dem Weg zur Krippe. Aber er ist nicht mehr da.
Wie sollte man da hoffen? Es scheint leichter, schon allein aus Enttäuschungsprophylaxe vollends zu knicken und zu löschen, was sowieso nichts mehr werden kann. Aber:
„Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“
Wer auch immer vor Urzeiten die Worte geschrieben hat wusste, dass es weise ist, der Hoffnung eine Chance zu geben. Für später. Auch dann, wenn sie momentan gar nicht in Sicht ist.
Es gibt noch andere gute Kräfte auf dieser Welt als die eigenen, manchmal verborgen, manchmal nicht fühlbar. Kräfte, die eine verkehrte Welt wieder auf die Füße stellen können.
Sollte also unvermutet das Wachstum wieder einsetzen, dann ist es gut, auch in dunklen Zeiten die Voraussetzungen für das Aufblühen der Hoffnung erhalten zu haben.
Hoffnung auf Hoffnung: Leuchte sie in diesem Advent allen, die sie brauchen.

