Vorläufer

Impuls für den 14.12.2015

Am Tag darauf sah er Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war.
Johannes 1, 29+30

Im alpinen Skirennsport gibt es einen „Vorläufer“. Dies ist ein Sportler, der unter Wettkampfbedingungen – aber außerhalb der Wertung – direkt vor dem eigentlichen Rennen auf die Rennstrecke geschickt wird. Die Aufgabe des Vorläufers besteht darin, den Neuschnee aus der Idealspur zu fahren.

Die Adventszeit kennt auch einen „Vorläufer“: Johannes den Täufer. Von ihm erzählt der heutige Abschnitt aus dem Johannesevangelium. Die Aufgabe des Täufers ist es, den Weg für das Auftreten Jesu zu bereiten und auf ihn hinzuweisen. Der Vorläufer tritt mit dem Kommen Jesu in die zweite Reihe, ist sozusagen außerhalb der Wertung unterwegs. Seine Aufgabe liegt darin, die Herzen der Menschen für die Botschaft Jesu Christi zu öffnen und deutlich zu machen, dass es sich lohnt, sich dem Herrn anzuvertrauen.

Und Johannes tut dies mit ungewöhnlichen, aber auch deutlichen Worten: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“. Dieser Satz ist für mich eine wunderbare Botschaft. Jesus kommt und nimmt sich allem Bösen, allem Sündigen, all den Fehlern der Welt, und das heißt auch meinen Fehlern und Sünden, an. Die Barmherzigkeit Gottes wird durch ihn greifbar, erfahrbar und erlebbar.

Diese Botschaft der Barmherzigkeit Gottes erfüllt mich immer wieder neu mit Dankbarkeit und großer Freiheit. Es liegt nicht an meinem fehlerhaften „Fahrstil“, ob ich bei Gott im Ziel des Lebens ankomme, sondern ich darf auf die Barmherzigkeit Gottes vertrauen und so das Leben gewinnen, weil Jesus das „Rennen des Lebens“ für mich bereits gewonnen hat. Eine wunderbare Zusage, auf die uns der „Vorläufer“ Johannes Jahr für Jahr wieder aufs Neue hinweist.

Autor / Autorin
Matthäus Karrer

Domkapitular, Leiter der Abteilung Pastorale Konzeption, Diözese Rottenburg-Stuttgart

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