Sorgenfreie Existenz

Lk 21,25f
Wenn ich diese Verse lese, dann machen sie Angst. Nicht dass die Sterne vom Himmel fallen, eher die Tatsache, dass alles endlich ist. Letztlich ist es Ahnung des eigenen Todes. Wer hält die Welt zusammen? Und wer hält mich, wenn mich nichts mehr in dieser Welt noch halten kann?
Es ist ja klar, dass es kein sorgenfreies Leben gibt. Wer mir eine angstfreie Existenz versprechen möchte, den würde ich jederzeit als Lügner bezeichnen. Aber zwischen jener alltäglichen Sorge um mich und meine Mitmenschen einerseits und jener abgründigen Angst um die eigene Existenz andererseits liegen Welten. Und es gibt diese Angst, die alles, Sonne, Mond und Sterne wie die Ordnung der Natur oder die Organisation der Menschenwelt, in Frage stellt und mich geradezu haltlos durch die Weltenräume stürzen lässt.
An diese Angst erinnern die Verse. Nur langsam kann sich vor ihnen der Geist beruhigen. Und nüchtern gesteht er sich ein, dass jede Zeit wie die ganze Schöpfung begrenzt ist. Nicht umsonst kennt die Kunst bis heute die Sanduhr, die im Verrinnen des Sandes die Endlichkeit aller Dinge symbolisiert. In der alltäglichen Sorge liegt ebenso eine Kraft zum Handeln verborgen, wie die Angst den Geist zum Nachdenken führt. Es gilt die Zeit zu nutzen und ihr so einen inneren Wert zu verleihen.
Jesu Wort zielt nicht auf meine Lähmung, sondern auf die Unterscheidung zwischen wertvollem und wertlosem Tun. Selbst wenn er die Vergänglichkeit der Schöpfung ins Spiel bringt, will er keine Drohung ausstoßen, sondern versteht diesen Hinweis als Verheißung seiner Gegenwart. Manchmal braucht es die heilsame Sorge, manchmal die abgründige Erschütterung, um diesen Hinweis wieder zu hören:
„Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe“ (Lk 21,28).
Wenn die Angst am größten ist, dann ist die Hilfe besonders nahe.
Autor / Autorin

Pfarrer, Leiter der Abteilung Sozialpastoral im Erzbischöflichen Seelsorgeamt, Erzdiözese Freiburg
Bei Fragen zu den Impulsen wenden Sie sich bitte an: info@advent-online.de
