Da sagte der Engel zu ihr:
»Fürchte dich nicht, Maria.
Gott schenkt dir seine Gnade:
Du wirst schwanger werden
und einen Sohn zur Welt bringen.
Dem sollst du den Namen Jesus geben.
Er ist zu Großem bestimmt
und wird ›Sohn des Höchsten‹ genannt werden.
Gott, der Herr, wird ihm den Thron
seines Vorfahren David geben.
Er wird für immer als König herrschen
über die Nachkommen Jakobs.
Seine Herrschaft wird niemals aufhören.«
Lukas 1, 30-33
Und wieder dieser Satz, DER Satz: „Fürchte dich nicht!“, der so oft in der Bibel erklingt.
Der Engel, der zu Maria kommt, überbringt ihr an diesem Tag, beginnend mit diesen Worten, eine ungeheure Botschaft: er kündigt ihr die Geburt eines Sohnes an. Er soll Jesus heißen. Noch mehr: er ist der angekündigte Retter der Welt.
Was für ein Widerspruch scheint das zu sein: der wahre König der Welt in einem zarten Kind! Damit spricht der Engel schon ein erstes Mal die Weihnachtsbotschaft aus. Und sie, Maria, wird diese kraftvolle und zugleich zarte Botschaft Gottes an die Welt ermöglichen.
„Fürchte dich nicht!“ Da würde wohl jedem Menschen ein Schauer über den Rücken laufen. Ob Maria am Ende der Engelsrede wohl noch wusste, dass der Engel am Anfang gesagt hat: „Fürchte dich nicht“? Und dass er von Gnade gesprochen hat, gleich zu Beginn seiner Ankündigung?
Ausgerechnet sie, Maria, soll einen Sohn gebären. Das ist höchst erstaunlich! Und es ist höchst gefährlich! Gefährlich ist es, weil Maria noch nur die Verlobte des Josef ist. Sie ist noch nicht verheiratet. Damit wäre eine Geburt aus der damaligen Sicht eine unzüchtige Situation – die Maria angelastet werden würde, wenn es alles seinen normalen Gang nähme. Normalerweise trüge sie in der vormodernen Zeit die Last, wegen dieses Regelverstoßes ausgeschlossen zu werden. Sie wäre nicht mehr versorgt und geschützt.
Normalerweise. Aber jetzt geht es nicht mehr um Normalität – denn ein Wunder soll geschehen: Die Jungfrau Maria ist es, die den kommenden Messias gebären soll, mit dem sich die Prophezeiungen des Ersten Testaments erfüllen.
Was für ein Zutrauen in dieser Botschaft des Engels liegt! Gott sucht besonders die Menschen, die von Vertrauen und Mut erzählen können. Und das sind nicht so sehr die Starken und Mächtigen. Es sind vielmehr Menschen, die von Zartheit und Machtlosigkeit wissen. Besonders sie können zeigen, was Gottes Macht will: schädliche Grenzen aufbrechen, mutig machen, Zukunft gestalten. Maria erzählt das auch uns.
Ein Adventsimpuls für den 29. Dezember 2024 von Pfarrerin Pamela Barke, Pressestelle der Evangelischen Landeskirche Württemberg, Stuttgart für Advent-Online, dem ökumenischen Adventsangebot der evangelischen und katholischen Kirchen in Baden-Württemberg.
