Volles Programm - Entlastungsprogramm

Advent-Online vom 1. Dezember 2024 - 1. Advent

Volles Programm im Advent - das hat auch Traugott Schächtele. Doch er hat auch ein Entlastungsprogramm. Davon schreibt er im heutigen Impuls zum Auftakt der Adventszeit.

 
Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen,
und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen
vor dem Brausen und Wogen des Meeres,
und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in
Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde;
denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.
Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn
kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.
Wenn aber dieses anfängt zu geschehen,
dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
Lukas 21,25-28
 
 
Auf den Beginn des Advents habe ich in diesem Jahr noch mehr gewartet als sonst. Die Welt scheint außer Rand und Band. Und mein persönliches Adventsprogramm ist auch nicht grad ohne. Keine Zeit der stillen Erwartung. Volles Programm. So vieles, das noch gehen soll „vor Weihnachten“! Aber im Advent kommt für mich immer etwas Tröstliches dazu. Etwas, das mich ruhiger werden lässt. Mitten im alltäglichen Wahnsinn. Eine Art Entlastungsprogramm, das plötzlich mitläuft. Und Mutmachworte, die in mir aufsteigen: „Alles halb so wichtig! Am Ende geht alles gut aus. Du wirst schon sehen!“ 
 
Sichtbares Zeichen dieses adventlichen Entlastungsprogramms ist für mich mein Adventskalender. Ab heute kann ich wieder jeden Tag ein Türchen aufmachen. Ein Türchen in Richtung Weihnachten. In eine andere, hoffnungsvollere Welt. Ein Türchen raus aus allem, was mir die Luft nehmen will. Ein Türchen in die Freiheit.
 
Ich hab‘ mir vor ein paar Jahren den Adventskalender meiner Kindheit neu nachgekauft. Das Besondere an ihm: Er endet nicht am 24. Dezember. Sondern erst am 6. Januar. Advent auch noch im neuen Jahr. Advent plus sozusagen. Mein Kalender hat für jeden Adventssonntag sogar noch ein zusätzliches Türchen. Deshalb darf ich heute zwei Türchen aufmachen. Als klare Botschaft: Spätestens jetzt ändert sich die Richtung. Jetzt geht die Erwartung in Richtung auf jenes Kind, das der Welt ein anderes Gesicht gibt.
 
Wenn ich durch dieses adventliche Türchen gehe, muss ich mich nicht kleinmachen. Da kann ich aufrechten Gangs durch. Kann „mein Haupt erheben“. Deshalb hänge ich meinen Adventskalender auch nicht einfach auf Augenhöhe auf. Sondern immer etwas höher. Denn Advent heißt für mich: Ich richte meinen Blick nach oben! Gehe aufrecht und mit gestärktem Rücken durch die Türchen der adventlichen Hoffnung. Und die vielen Dinge, die anscheinend so wichtig sind, erscheinen von oben plötzlich viel kleiner. Und viel weniger bedeutend. Also Kopf hoch! Jetzt ist Advent!
 
 

Prof. Traugott Schächtele

Prälat im Kirchenkreis Nordbaden, Evangelische Landeskirche in Baden

Bei Fragen zu den Impulsen wenden Sie sich bitte an: info@advent-online.de