Denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids

Um familiäre Bande geht es im Beitrag von Traugott Schächtele; er war bis Februar Prälat der Evangelischen Landeskirche in Baden. 

 
 
So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.
Lukasevangelium 2,4
 
 
Ich habe eine richtig große Verwandtschaft. Sechs Geschwister. Ein Dutzend Nichten und Neffen. Jede Menge Onkel und Tanten. Und eine noch viel größere Zahl an Cousins und Cousinen. Wenn die Großfamilie alle paar Jahre zum Familientreffen zusammenkommt, tragen wir alle ein Zeichen aus welcher Verwandtschaftslinie, aus welchem „Stamm“ wir kommen. Damit wir uns leichter zuordnen können.
 
An ganz vielen Orten, an die ich komme, stoße ich auf Menschen, mit denen ich verwandt bin. Ich bin in der Fremde. Und bin doch gleich irgendwie daheim.
Mit Maria und Josef könnte das in Bethlehem doch ähnlich gewesen sein. Womöglich ist es, neben der von Augustus erzwungenen Klärung der Steuerlasten, auch eine Reise an den Ort, an dem Josefs Familie ihre Wurzeln hat. Vor dem Aufbruch in die familiäre Zukunft versichert sich Josef seiner Herkunft. Familiäre Wurzelpflege. Maria hatte das zuvor schon ähnlich gemacht. Und ihre Cousine Elisabeth besucht.
 
Über Advent und Weihnachten steht die Familie oft höher im Kurs als sonst im Jahr. Mit allen Begleiterscheinungen, die die Pflege familiärer Bande so mit sich bringt.
Im weiteren Sinn kommen für mich in dieser Jahreszeit auch andere familiäre Bande zum Tragen. Ich spüre, dass ich noch zu einer ganz anderen Familie gehöre. Der Familie, die sich von der Geschichte einer ganz großen Hoffnung miteinander verbunden weiß. Mitten in herausfordernden Konflikten, die derzeit wahrhaftig nicht nur mich belasten, fühle ich mich weltweit den Menschen verbunden, die sich mit dem Zustand der Welt nicht abfinden wollen. Die gemeinsam miteinander hoffnungsverwandt sind. Weil alle davon überzeugt sind, dass sie Grund haben, von der Zukunft Großes zu erwarten. „Familia Dei“, Familie Gottes, nannten das diejenigen, die für uns die Urahnen dieser Hoffnungsfamilie sind. In ihrer Geschichte möchte ich ankommen und mich darin bergen. Gerade dann, wenn es in der eigenen Familie an Weihnachten auch mal wieder drunter und drüber geht.
 
Prof. Dr. Traugott Schächtele, Prälat i.R.
Evangelische Landeskirche in Baden