Es wird alles gut.

"Simenon war gerecht und fromm und wartete auf den Trost Israels
und der Heilige Geist ruhte auf ihm.
Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden,
er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Christus des Herrn gesehen habe.
Er wurde vom Geist in den Tempel geführt;
und als die Eltern das Kind Jesus hereinbrachten,
um mit ihm zu tun, was nach dem Gesetz üblich war,
nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott"
Lukas 2,25-28

„Es wird alles gut.“
So übersetze ich mir manchmal Weihnachten: „Fürchtet Euch nicht, es hat angefangen, dass alles gut wird.“ Mich wärmt das, gerade als Älteren, und bringt mir nahe, dass Weihnachten nicht nur für Kinder und Eltern ist, sondern auch für Kinderlose oder Opas, wie mich. Weihnachten ist für jede:n.
 
Das Vertrauen, dass ‚alles gut werden kann‘, nimmt beim Älterwerden ja eher ab. Angst vergeht nicht durch Lebenserfahrung, im Gegenteil: Menschen sind verletzlich, das Miteinander, Demokratien, die Erde als Ganze sind verletzt. Vieles heilt nicht mehr, lehrt die Erfahrung und nährt Angst.
 
Darin kommt mir Simeon nah. Man darf davon ausgehen, dass er auch schon älter war. Er wusste, es geht nicht mehr ewig. Das schien ihn aber nicht zu schrecken. Unerfüllte Wünsche für sich sind nicht seine Sorge. Etwas anderes gibt ihm das Gefühl, dass sein Leben unerfüllt ist: Er würde gern gehen können und wissen: „Alles wird gut.“ Für die Nachgeborenen und für das Ganze, und er würde gern sehen, dass es angefangen hat, gut zu werden.
 
So ist Simeon hineingeraten in diese kleine Feier. Jesus - hat Lukas in der zweiten Hälfte der „Weihnachtsgeschichte“ erzählt - kommt mit seinen Eltern in den Tempel zur Beschneidung.
Und da erreicht Weihnachten den alten Simeon. „Es wird alles gut.“ Das spürt er, als er das Neugeborene liebevoll auf den Arm nimmt. Eine große Klarheit kann einen berühren, wenn man ein Kind in die Arme nimmt. Man spürt, das Leben geht über mich hinaus. Und manchmal habe ich mit einem Kind auf dem Arm auch gedacht: „Schön, dass mit Dir die Welt neu wird. Da kann ich mich doch nur stark machen für Dich und die Zukunft.“
 
Ich glaube, Simeon war beides: alt und glücklich. Und ich übe seine Gewissheit: Alles wird gut. Ich werde das persönlich nicht erleben, aber es ist gut, Dich zu kennen, Jesuskind. Und mein Enkel wird erleben: vieles, was mir heute Angst macht, wird dann gut sein.

Wolf-Dieter Steinmann

Quelle: Steinmann Wolf-Dieter

Rundfunkpfarrer beim SWR, Evangelische Landeskirche in Baden

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