"Während er noch darüber nachdachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen."
Matthäus 1,20-22
„Versichertenkarte und Impfausweis bitte. Und bitte noch kurz ins Wartezimmer setzen.“, sagt die Sprechstundenhilfe zu mir. Normalerweise funktioniert in der Arztpraxis alles wie am Schnürchen: Klare Aufgabenverteilung, vorausschauende Verteilung der Patienten an die richtigen Stellen, sodass möglichst wenig Wartezeiten entstehen. Doch heute…Ich gebe zu: Ich bin selbst viel später dran als geplant. Wer außerhalb wohnt, kommt leicht in Gefahr, sich zu viel einzuplanen. Nach dem Motto: „Wenn ich schon mal in der Stadt bin …“ Gestern habe ich mich auch noch mit einer Freundin verabredet, nach der Impfung habe ich ja ein gutes Zeitfenster dafür. Nur, dass dieses Zeitfenster gerade eine Dreiviertelstunde später beginnt als erhofft.
Aus purem Pflichtbewusstsein laufe ich zum Treffpunkt. Und bin schwer beeindruckt. An der
Stelle meiner Freundin wäre ich irgendwann aufgestanden und nach Hause gelaufen. Hätte mich möglicherweise darin gesuhlt, im Stich gelassen worden zu sein...Umso großartiger, um die Straßenecke zu biegen und zu sehen: Da ist jemand, der auf mich wartet. Der nicht aufgegeben hat, mich doch noch zu treffen, sich mit mir auszutauschen. Ein Gefühl wie Vorschusslorbeeren. Wie unverlierbare Punkte bei einem Brettspiel, bevor es ganz zu Ende gespielt ist. Wie Nachtisch vor dem Hauptgang.
Vertrauen wird erst im Nachhinein belohnt. So auch bei Josef. „Woher kommt dieses Kind?“ Die Antwort auf diese bange Frage ist zu eindeutig, um Hoffnung zuzulassen. Doch Gott verlangt sie einfach von ihm. Ohne Beweise, ohne Gründe. Nur mit einem Engel. Diese Herausforderung Gottes erkenne ich auch in meinem Leben: „Vertraue mir. Vertraue den Menschen an deiner Seite so weit, dass dein eigenes Misstrauen nicht mehr Schritt halten kann. Da kann und werde ich dir zeigen: Ich bin da. Mächtig genug, dass ich es ganz anders geschehen lasse, als du es dir überhaupt ausmalen kannst.“
Vertrauen wird im Nachhinein belohnt. Vorschusslorbeeren? Fehlanzeige. Doch wo Menschen einander vertrauen, passiert das vielleicht Größte, das es auf dieser Erde geben kann. Jeder von uns braucht gelegentlich einen Vorschuss an Vertrauen – und jeder hat viel davon zu geben. In der kommenden Woche nehme ich mir vor, großzügig im Verschenken von Vertrauen zu werden.