"Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden."
Lukas 1,30
Kürzlich bin ich in Ungnade gefallen. Ich versichere Ihnen, dass ich das gar nicht beabsichtigt hatte, aber dennoch ist es passiert. Das ist meiner Unaufmerksamkeit zuzuschreiben. Nach der langen Corona-Zeit und der damit verbundenen Kontaktreduzierung konnte ich mich endlich mal wieder mit meiner besten Freundin auf einen Kaffee treffen. Welche Freude! Kein Telefonat und keine Videokonferenz kann ein leibhaftiges Begegnen ersetzen. Endlich konnten wir uns wieder in die Augen blicken, uns umarmen und spüren, wie gut es tut, dass wir einander haben.
Und dann kommt zufällig eine weitere Bekannte von mir am Café vorbei und ich lade sie ein, sich zu uns zu setzen. Da war es schon passiert. Meine beste Freundin beteiligte sich zwar am Gespräch, doch wie mir schien aus reiner Höflichkeit. Ich spürte ihre Reserviertheit, wusste mir jedoch nicht zu helfen und so war auch das Auseinandergehen eher distanziert und keine von uns beiden machte einen Vorschlag für ein weiteres Treffen.
Und jetzt stolperte ich über die Bibelstelle aus dem Lukasevangelium in der es heißt, dass Maria Gnade bei Gott gefunden hat und sie sich deshalb vor nichts zu fürchten brauche. Prompt fällt mir der verkorkste Kaffee-Nachmittag ein. Und ich nehme das persönlich: Auch mir gilt diese Zusage: Mutig darf ich durchs Leben gehen in der Gewissheit, dass Gott mit dabei ist. Und deshalb fasse ich mir ein Herz und rufe meiner Freundin an: Du, es tut mir leid, dass unser erstes Treffen nach Corona durch meine Unachtsamkeit so blöd gelaufen ist. Bitte verzeih!
Und wissen sie wie ihre Antwort lautete? Wie gut, dass du anrufst. Ich fand mein Verhalten auch doof, habe mich aber noch nicht getraut, bei dir anzurufen … Und schon ist die Unstimmigkeit aus dem Weg geräumt und ein weiteres Treffen vereinbart!
Wow, denke ich mir: Fürchte dich nicht. Drei Worte, die so vieles in mir bewirken können. Scheu dich nicht zuzugeben, dass Dir was Blödes passiert ist. Vertrau darauf, dass dir verziehen wird. Geh auf den anderen zu.
Wir haben einen gnädigen Gott und können darauf im Miteinander bauen. Ich wünsche Ihnen und mir zum diesjährigen Weihnachtsfest, dass wir das immer wieder spüren, in persönlichen Zusammenhängen und auch in unserer Weltgemeinschaft.
Regina Wacker
Referentin für Notfallseelsorge Erzbistum Freiburg & Diözese Rottenburg-Stuttgart