Wie oft lobe ich das Leben?

"Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter."
Lukas 1,26

Immer wenn ich den Lobgesang von Maria lese oder auch höre, stockt mir der Atem. Gefühle von Ehrfurcht und Demut spüre ich angesichts solcher großen Worte. Es wirkt für mich überschwänglich, was Maria da formuliert. Es scheint ihr einfach aus dem Herzen herauszusprudeln. Und für mich persönlich ist das Besondere daran, dass es eben so positiv und Lob preisend ist!
 
Wenn ich meine eigene Gottesbeziehung betrachte, nehme ich mir die meiste Zeit dafür, wenn
ich nicht so positiv wie Maria bin. Meine Gottesbeziehung sind oft Momente in denen ich ein Stück weit sprachlos bin. Mal nicht mehr weiter weiß. Mir die Worte fehlen und ich einfach nur versuche Kraft zu schöpfen.
 
Meine Momente mit Gott sind erstmal kein sprudelnder Lobpreis. Bei mir braucht das Zeit. Und wenn es dann sprudelt, dann sind das oft Worte von Ohnmacht und von meiner Handlungsunfähigkeit.
 
Erst wenn ich einfach da sein kann, ein Angekommen fühle, ohne dem Druck von Erwartung, dann erfahre ich Momente der Kraft. Da erfahre ich Gott. Da erlebe ich meine intensivsten Momente des Glaubens.
 
Aber wo bleibt der Lobpreis. Ich frage mich immer wieder, wann sprudelt es denn bei mir, wann danke ich Gott, wann „lobpreise“ ich seine Herrlichkeit? Wann gibt es bei mir genau für diesen intensiven Moment die Zeit? Habe ich auch dafür Worte in mir? Habe ich Worte um ihm ein solches Loblied vorbringen zu können? Und wenn ich mich das frage, dann kommt die Frage: Kann ich diesem großen Gott überhaupt in einem Lob gerecht werden? Aber woher kommt gerade diese Frage, diese Unsicherheit? Ich weiß es nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass es an einer Lebenshaltung von mir liegt, die ich Demut nenne.
 
Wenn ich den Text lese weiß ich, dass ich gerne mehr wie Maria sein würde. Auch ich will ihm, mit all der Liebe, mit dieser Überschwänglichkeit und Echtheit, loben. Für alles, was er für mich tut. Für alles, was er für diese Welt tut. Und ich möchte das genau so intensiv tun, wie ich auch meine Sorgen vor ihn bringe.
 
So bleibt von diesem besondere Bibeltext die tägliche Frage: Wie oft stimmst denn du ein Loblied auf Gott an?
 
 

Natalie Bianca Wittek

Theologin, Veränderungsmanagement DB Fernverkehr AG