Fürchte dich nicht
Die Engel sagen es jedes Mal: Fürchte dich nicht! Und doch bebt unser Herz in jenen Momenten, in denen wir einem Engel begegnen. Das war damals so bei Maria und das ist heute noch so, in Momenten, von denen Silvia Klein, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Erzbistum Freiburg, erzählt.
Der Engel trat bei ihr ein und sagte:
Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
Sie erschrak über die Anrede und überlegte,
was dieser Gruß zu bedeuten habe.
Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria;
denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
Lukas 1,28-30
„Gott hat mir längst einen Engel gesandt, mich durch das Leben zu führen. Und dieser Engel hält meine Hand, wo ich auch bin kann ich’s spüren.“ Mein Engel sagt mir: „fürchte dich nicht!“ Du bist bei Gott aufgehoben![1] Vor Jahren habe ich diese Liedzeilen bei der Beerdigung eines jungen Mitglieds unserer Pfarrgemeinde gesungen. Es hat mich sehr ergriffen und die Vorstellung, dass es etwas oder jemanden gibt, der mich auffängt und hält, hat mir damals Trost gespendet.

Einige Jahre später habe ich die Botschaft dieses Liedes und die des Engels Gabriel selbst erfahren können. „Fürchte dich nicht“, das hört sich so einfach gesagt an und beinhaltet schon, dass die Angst kurz vor einem Ausbruch steht.
Nicht mehr wissen wie es weiter geht, den Boden unter den Füssen zu verlieren, alles bricht scheinbar über einem zusammen, das Leben gerät aus den Fugen, all das erlebte ich, als mein geliebter Partner im Sterben lag. Hilflosigkeit machte sich breit und plötzlich stand das Leben still, nichts war mehr so, wie es vorher war. In dieser Zeit habe ich meinen Engel gespürt und erfahren. Mitten in tiefer Verzweiflung erhielt ich die SMS eines guten Freundes: „Ich bin da wenn du mich brauchst, und ich bete für euch“. Diese wenigen Worte haben mir Mut gemacht und haben mich und meine Kinder in der schweren Zeit begleitet.
Mein Engel begegnet mir heute in vielen Facetten, mal im Zusammensein mit meinen Kindern und Enkeln, mal in einer zufälligen oder geplanten Begegnung, mal als Gefühl, mal als Gedanke, in einem Lied oder im Gebet. Ich spüre, dass ich nicht alleine bin und etwas oder jemand mich trägt und hält.
Mit diesen Erfahrungen kann auch ich, wie Maria zum Engel Gabriel, „Ja“ zum Leben sagen, auch wenn das Leben anders, als geplant, verläuft. Nach den schweren Momenten im Leben tastete ich mich wieder ins Leben, gehe neue Wege, lebe mit dem Schmerz. Aber ich bleibe mit diesem Schmerz nicht allein, denn ich habe die Zusage, dass mein Engel mich begleitet und ich von Gott aufgehoben bin.
Ich sage „Ja“ zu einem Leben, das mir von Gott geschenkt wurde und für das ich verantwortlich bin, dieses Leben lebenswert zu machen. Auch, um Engel für andere zu sein. Vielleicht gerade jetzt, im Advent, um auch anderen das „Ja“ zum Leben zu ermöglichen, um wieder hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen und, um Licht in manche Dunkelheit zu bringen.
Silvia Klein
Erzdiözese Freiburg
Beitrag aus dem Jahr 2021
Erzdiözese Freiburg
Beitrag aus dem Jahr 2021
