Sehnsucht

Gedanken zum Tag, 24.12.2025

Das Schweigen Zacharias, eine Zeit des Nachdenkens, der Neuausrichtung, auf das was wirklich wichtig ist. 

Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes
wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe,
um allen zu leuchten, 
die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes,
und unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.
Lukas 1, 78+79  



Ein Mensch gibt seiner Hoffnung, mehr noch seiner Glaubensüberzeugung Ausdruck. Neun Monate konnte er nicht sprechen; er war stumm. Erst als Zacharias Sohn Johannes geboren ist, findet der Vater seine Sprache wieder, berichtet der Evangelist Lukas. Im Schweigen hat sich seine Überzeugung herausgebildet: Mein Leben hat seinen tiefen Sinn in Gott. Einen Sinn, der sogar die Schattenseiten, mit denen ich im persönlichen Leben wie im gesellschaftlichen und globalen Kontext konfrontiert werde, zu erleuchten und sie zu verändern vermag. Diese Schattenseiten begegnen uns in vielerlei Gestalt. Ihre Namen sind Krieg, Hass, Folter, Verfolgung, Armut, Umweltzerstörung, Krankheit, Arbeitslosigkeit, Schuld ...

Zacharias setzt diesen Lebenserfahrungen seine Gewissheit entgegen: Gott wendet sich dem Menschen in Liebe zu und kommt in Jesus von Nazareth in unsere irdische Wirklichkeit. ER ist der Weg aus der Misere, der Weg, der zum Frieden führt. Frieden, das bedeutet Leben im Einklang mit sich, mit der Welt und mit Gott. Im Herzen sehnt sich jeder Mensch nach diesem Frieden. Die Sehnsucht ist der Anfang von allem, schrieb die jüdische Dichterin Nelly Sachs, und der Dichter Rainer Maria Rilke notierte in seinem Stundenbuch: "Geh bis an deiner Sehnsucht Rand". Zacharias hat dies offensichtlich getan. Im Glauben an diesen Gott hat seine Sehnsucht Resonanz gefunden.

 

Mathea Schneider
Erzdiözese Freiburg
Beitrag aus dem Jahr 2011