Warten – das habe ich in diesem Jahr als eine zutiefst unangenehme Situation erlebt, denn zum ersten September stand bei mir ein Wohnungswechsel an. Trotz der Tatsache, dass ich mich schon ab März auf die Suche machte, hatte ich keinen Erfolg. Auf eine Wohnungszusage warten wurde hier zu einem „Etappen-Drama“: Zuerst das Warten auf neue Angebote, danach das Warten auf Reaktionen zu meinen Kontaktaufnahmen und dann das Warten nach einer Besichtigung – und nach einer Absage ging es erneut los. Ich saß an meinem Schreibtisch, gefangen in einer Warteschleife. Es entstand eine Situation voller Frust, Unsicherheit und – je näher mein Auszugstermin rückte – auch voller Angst. Die Wartezeit wurde existenziell, sie wurde persönlich, sie engte mich und meinen Horizont ein. Das Warten wurde zu einem Hamsterrad.

Und plötzlich war alles vorbei! Im Juli traute ich mich aus meiner Corona-Höhle heraus und ging auf eine der wenigen Feiern im Freundeskreis in diesem Jahr. Raus aus dem Alltag, meine geistige Enge weitete sich wieder und plötzlich, die Gespräche wurden tiefer, meinte eine Freundin, ganz lapidar: Ich habe für dich eine Wohnung – und drei Wochen später stand der Umzug an!
In der Bibel, beispielsweise im Jakobusbrief, geht es beim Warten immer um Geduld: Wir sollen „geduldig aus[halten] bis zur Ankunft des Herrn!“ Als Beispiel, wie das gehen soll, wird ein Bauer erwähnt, der geduldig wartet „bis Frühregen oder Spätregen fällt“ (vgl. Jakobusbrief 5,7). Dabei zeigt gerade das Beispiel des Bauern, wie nervig Warten ist und dass Geduld kein passives Handeln ist. Geduld ist ein aktiver Vorgang. Der Bauer bleibt in seiner Geduld aktiv, in dem er alles vorbereitet; in dem er alles tut, was notwendig ist. Und genau das habe ich in meiner Zeit der Wohnungssuche verpasst: Ich war passiv, hab mich auf die Anzeigen verlassen und mich immer mehr eingegraben. Freunde, Kontakte, aktive Nachfrage, aktives Handeln – all das war nicht im Blick.
Die Wartezeit des Advents ist ebenfalls ein aktives Handeln: Was wir erwarten, das kommt nicht einfach so, indem ich dasitze, Kerzen anzünde und warte.
Ich gehöre zu jenen, welche die Ankunft des Herrn wirklich erwarten. Sie ist für mich die Zusammenführung alles Guten. Sie ist für mich der Moment in dem das Reich Gottes sichtbar wird. Dazu braucht es aber von mir ein aktives, handelndes Warten, eine Vorbereitungszeit durch und von mir, von uns Menschen. Wie lange die Wartezeit beträgt, das liegt in diesem Fall bei uns. Damit stellt sich die Frage: Wo packe ich an, damit ich in diesem Advent aktiv warte?
Herr Advent-online Webmaster Björn Siller
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