Warten… ist schlicht und ergreifend

Advent ist eigentlich eine Zeit des gezielten Wartens, des Erwartens. Neben all dem anderen, das gerade läuft.
 
Einige Bekannte von mir begehen die Adventszeit deshalb mit besonderen Gewohnheiten. Manche fasten sogar sehr bewusst vor dem großen Fest. Oder sie räumen gezielt Pausen und Unterbrüche ein, um für sich selbst und für andere in ihrem Umfeld besinnliche Momente herzustellen.
 
Ihr Ziel ist es, eben nicht wie gewohnt weiterzumachen, sondern sich bewusst auf das Wesentliche des Lebens auszurichten. Sie suchen im Advent den Blick über den Alltag hinaus zu bekommen.
 
Das drücken sie dann manchmal sogar bis zur bewusst schlichten Kleidung hin aus. Äußeres und Inneres hat ja miteinander zu tun. Schlichte Kleidung, weil Warten eine Zeit der Schlichtheit ist. Eigentlich.
 
Tatsächlich gelingt es den meisten aber nicht, sich in der Adventszeit zu beschränken oder gar Stille gönnen zu können. Von wegen besinnlichem Warten. Da erleben sie eher Stress, weil sich im Advent noch enorm viel aufgestaut hat. Aufgrund der bedrückenden Corona-Zeit vielleicht sogar noch mehr als sonst. Es ist diesmal sicher weniger der übliche Feststress, mit Einkaufen und Geschenkeaussuchen. Aber der Druck, unbedingt noch dieses oder jenes hinzubekommen. Weil es vorher einfach nicht geschehen oder angepackt werden konnte. Weil es viel aufzuholen gilt.
 
Ich bin deshalb froh, um Impulse und Gedanken aus der Bibel, die mich im übertragenen Sinne herausnehmen, wenigstens für einen Moment zwischendurch. Die mich die viel größere Wirklichkeit Gottes kurz erkennen lassen. Ich werde daran erinnert, dass wenn ich nicht mehr kann, mir Gott hilft. Ich brauche das, ich bekomme vieles nicht alleine hin. Das bedeutet übrigens der Name Jesus wörtlich übersetzt: Gott hilft. Und Advent bedeutet. Gott kommt mir entgegen.
Er will mich berühren und ergreifen. Dieses Warten ist: ergreifend. Im Wortsinn schlicht. Und weil ich das weiß, geht plötzlich einiges, was ich mir gar nicht zugetraut hätte:
 
Im Kolosserbrief (3,12) heißt es in diesem Sinne: Bekleidet euch also als Erwählte Gottes, als Heilige und Geliebte mit innigem Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld!
 
Für mich ist dieser schlichte Anzug, dieses Adventskleid eine echte Hilfe. Ich werde daran erinnert, anderen so zu begegnen wie ich es auch gerade für mich gerne hätte: mit offenem Ohr, mit einem Lächeln auch unter Stress, nicht kurz angebunden von oben herab, sondern mit Demut und Milde.
 
Für mich bedeutet Advent, erwarten und erleben, dass Gott schützt und wärmt. Und dass er wirkt und verbindet, wie die Fäden eines Kleidens miteinander verbunden sind.
 
  

Dan Peter

Pfarrer, Pressesprecher der evangelischen Landeskirche in Württemberg
 
Bei Fragen zu den Impulsen wenden Sie sich bitte an: info@advent-online.de
 
  

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