Warten auf der Schwelle

Ich sitze in meinem Auto. Mein Ziel: Abschied nehmen, von Sachen. Von Besitz. Denn es geht Richtung Wertstoffhof. Der Blick in den Rückspiegel lässt nichts mehr erkennen. Bis unters Dach ist das Auto vollgepackt mit allerlei Dingen. Mein innerer Zustand ist leicht genervt und angespannt. Habe ich alles dabei? Nehmen sie alles an? Brauche ich das wirklich nicht mehr? Das hätte ich schon längst tun können ...  
 
Und jetzt auch das noch: Stau vor dem Wertstoffhof.
 
Das bringt jetzt nichts, wenn du da quer reinfährst.
Aber gut, jetzt kommt der Wertstoffhofmitarbeiter.
Ich hoffe, er sortiert mir meine Sachen nicht aus und lässt mich alles abgeben.
Ein bisschen freundlicher könnte er schon sein.
Wie lange brauchen die da noch?
Jetzt fängt es noch an zu regnen.
Schon schrecklich wie viel Müll man produziert.
Wieso fährt der SUV jetzt nicht rein?
Das dauert ja noch ewig.
Jetzt komme aber ich gleich dran, rechts vor links!
 
Wann beschäftigt man sich sonst so intensiv mit Alltagsgegenständen? Man zerlegt, sortiert, sammelt und wartet bis die Zeit zur Abgabe ist. Es wäre viel einfacher die Dinge nur vor das Haus zu stellen und abholen zu lassen. Aber nein, dem Wertstoffhof entkomme ich nicht!
 
In solchen Augenblicken wird der Wertstoffhof zu einer Schwelle, hier entsteht irgendwie ein aktives Warten im Übergang.
 
Gesammeltes und Sortiertes wird bewusst und eigenhändig übergeben – was für ein intensives Abschiednehmen. Mit all dem Angestauten fahre ich hin und befreit von allen alten Lasten fahre ich wieder weg. In der Hoffnung, dass es der Umwelt etwas bringt, dass daraus vielleicht etwas Neues entsteht.
 
In solch einem Dazwischen, im Übergang, wartet Gott auf uns: An den Übergängen der Steppe, dort wo es trocken, eintönig, zäh ist und anstrengend wird. Dort ist ER da, genauso wie es im 2. Buch Samuel 15,28 steht: „Seht: Ich werde an den Übergängen zur Steppe warten.“
 
  

Petra Renz

Pastoralreferentin in der Seelsorgeeinheit St. Maria und Christkönig,
Diözese Rottenburg-Stuttgart
 
Bei Fragen zu den Impulsen wenden Sie sich bitte an: info@advent-online.de
 
  

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