„Ich verbinde Sie gleich weiter, nur einen kurzen Moment…“ – „Alles klar, danke!“ – Dann wieder eine monotone Computerstimme: „Bitte warten Sie!“ – Dudeldudeldu, dudeldudeldu. – „Es sind zurzeit alle Mitarbeiter im Gespräch. Bitte warten Sie. – Ihre Wartezeit beträgt noch 25 Minuten.“ – Dudeldudeldu, dudeldudeldu.
Warten zu müssen kann nerven.
Vor kurzem bin ich umgezogen. Ich habe die Arbeitsstelle gewechselt. Der Umzug war anstrengend und aufwändig und zudem gab es Einiges zu organisieren – z.B. einen neuen Internetanschluss, inklusive Verlegung sämtlicher Kabel.
Und wie macht man so etwas heutzutage? Ich recherchierte im Internet und rief an, in der Hoffnung auf eine rasche Erledigung meines Anliegens, aber auch mit dem Verdacht, dass ich mir für die nächsten Minuten nichts Anderes vorzunehmen brauchte. Ich hängte mich also in die Hotline.

Und dort ließ man mich hängen. Ich hatte mich getäuscht: Es sollte nicht einige Minuten dauern,sondern Wochen. Immer wieder musste ich die Hotline anrufen, hing in Warteschleifen, kam irgendwann bei einer Mitarbeiterin raus, die mir versicherte, dass es nicht mehr lange dauern würde. Doch es dauerte.
Mir war klar, dass ich nicht einfach auflegen konnte. Dann würde sich mein Problem nicht lösen lassen. Also dranbleiben. Mehr und mehr fühlte ich mich gereizt und genervt – ich wurde richtig unzufrieden. In mir keimte die Befürchtung, dass mein Warten wie in Samuel Becketts „Warten auf Godot“ endlos sein würde.
Aber dann: Nach gut sechs Wochen und endlosen Stunden am Telefon bewegte sich etwas. Die Kabel wurden verlegt, der Router geliefert. Weitere vier Wochen später konnte ich tatsächlich von zu Hause aus ins Internet. Und ich erfuhr einmal mehr: Manchmal lohnt es sich, einfach geduldig zu sein – und zu warten.
Wie der biblische Simeon im Lukasevangelium (2,25), der hoffnungsvoll, voller Vertrauen und – so ist zu vermuten – mit viel Geduld auf den Retter des Volkes Israel wartet. Seine Hoffnung wird erfüllt, als er schließlich das Jesuskind glücklich in die Arme schließen darf.
Das Christentum ist, und das zeigt sich im Advent besonders deutlich, eine Warte-Religion. Warten und erwarten gehören einfach dazu, auch wenn es manchmal richtig nervig sein kann. Die Frage ist aber: Wie warten wir? Gereizt und unzufrieden oder vielleicht doch hoffnungsvoll wie Simeon?
Sebastian Scotti
Pastoralreferent in der Kath. Kirchengemeinde Weil am Rhein,
Erzbistum Freiburg
Bei Fragen zu den Impulsen wenden Sie sich bitte an: info[at]advent-online[dot]de
