
Plötzlich stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn Otto Dix, der expressionistische Maler, mit dabei wäre und alles in einem Gemälde erfassen würde: Wo er seine Staffelei wohl aufbauen würde? Mann mit Staffelei im Schatten von Abholregal 24-1… Jedenfalls: mit Blick auf das Weit der Kassenhalle.
Dix könnte von hier aus auch überhitzte Gesichter von kleinen Kindern malen, die versuchen, der Warteschlange ein Spiel abzuringen und zurückgerufen werden. Manche stoischen Mienen bei den Erwachsenen würden auf das Papier skizziert. Und er könnte Kunden malen, die erschöpft sind wie ein Krieger oder stolz wie ein König
Der expressionistische Maler hätte wohl mich und die Vielen um mich herum in unseren schlechtesten Zügen gezeichnet: Neid, Besitz, Begierde, Ohnmacht, Stolz, Zweifel. Hier, in der ewigen Warteschlange vor der Kasse zwischen Haben und Sein.
Wenn alle wieder zu Hause sind, irgendwann, im Laufe des Nachmittags oder Abends werden sich unsere Mienen aller Erfahrung nach entspannen. Die Unruhe wird verblassen.
Das Buch der Weisheit, Kapitel 2 Vers 2 kennt auch solche Zerrbilder von uns Menschen: „Sie verstehen von Gottes Geheimnissen nichts, sie hoffen nicht auf Lohn für Heiligkeit und erwarte keine Auszeichnung für untadelige Leute.“
Wer bin ich?
Vielleicht kann mich die Adventszeit dazu bringen, mich selbst anzusehen. Wie ein Maler. Wie im Spiegel. Wie Gott. In einer endlosen Warteschlange - oder wo auch immer.
Und mein Sehnsuchtskatalog ist nicht nur der des Möbelhauses, sondern das sind all die Bilder aus der Bibel, die mich zeichnen, wie ich sein könnte, wenn alles gut wäre.
Wie ich sein könnte - verbunden mit Gottes Geheimnis und voller Sehnsucht nach Gottes Heil und Frieden. Und das sind Zeichenstriche aus Licht und Hoffnung.
Pamela Barke
Pfarrerin, Pressestelle / Wiedereintritt
Evangelisches Medienhaus der Ev. Landeskirche Württemberg
Bei Fragen zu den Impulsen wenden Sie sich bitte an: info@advent-online.de
