Sprachlos

Impuls für den 20.12.2019

Dem Tempelpriester Zacharias und seiner Frau Elisabeth wird in hohem Alter ein Kind verheißen. Zacharias verschlägt es darauf die Sprache.

Der Engel aber sagte zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Dein Gebet ist erhört worden. Deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären; dem sollst du den Namen Johannes geben.
Inzwischen wartete das Volk auf Zacharias und wunderte sich, dass er so lange im Tempel blieb. Als er dann herauskam, konnte er nicht mit ihnen sprechen. Da merkten sie, dass er im Tempel eine Erscheinung gehabt hatte. Er gab ihnen nur Zeichen mit der Hand und blieb stumm. Bald darauf empfing seine Frau Elisabeth einen Sohn und lebte fünf Monate lang zurückgezogen. Sie sagte: Der Herr hat mir geholfen; er hat in diesen Tagen gnädig auf mich geschaut und mich von der Schande befreit, mit der ich in den Augen der Menschen beladen war.

Lukas 1,13.21-22.24-25

Quelle: unsplash.com/@mkrisanova

Unter normalen Umständen ist es die Frau, die als erstes von ihrer Schwangerschaft erfährt. Sie spürt es an den Veränderungen in ihrem Körper. Meistens erzählt sie es dann weiter – und heute wird es immer mehr zur Mode, eine ‚Baby-Shower‘ durchzuführen, eine große Party: Freundinnen laden ein und die werdende Mutter wird mit Geschenken überschüttet – daher das Wort „Shower“. Das Ganze ist eine lautstarke, fröhliche Veranstaltung. Im Internet gibt es außerdem unzählige Videos, auf denen man Paare oder Familien sehen kann, die die Nachricht von einer Schwangerschaft miteinander und mit der Welt teilen. Es ist wohl ein menschliches Bedürfnis, die Freude über das erwartete Kind so auszudrücken, es einfach jedem zu erzählen.

Wenn es das alles zur Zeit der Geburt Johannes des Täufers schon gegeben hätte, dann wäre gerade die Verheißung seiner Geburt ein Grund für eine große Party gewesen: Schließlich hatten seine Eltern viele Jahre vergeblich auf Nachkommen gehofft!

Aber alles verläuft ganz anders: Es ist der Vater, Zacharias, der als Erster von der guten Nachricht erfährt! Nach vielen Jahren der Kinderlosigkeit wird ihm und seiner Frau Elisabeth ein Sohn geschenkt. Statt mit lauter Freude die Neuigkeit zu verkünden, verstummt Zacharias angesichts der Botschaft des Engels. - Nicht viel anders reagiert Elisabeth! Sie lebt fünf Monate zurückgezogen, heißt es bei Lukas. Offensichtlich brauchen beide Zeit für sich. Zeit, sich mit dieser neuen Situation zu beschäftigen: Risikoschwangerschaft, das Geschwätz der Leute und einen sprachlosen Vater!

Sie haben wohl gar nicht das Bedürfnis, die Nachricht laut in die Welt zu schreien und mit allen zu teilen. Ich wüsste nicht, wie ich mich unter diesen ‚anderen‘ Umständen verhalten würde.

Datei zum Downloaden

Autor / Autorin
Anja Dörner

Pastoralreferentin und Religionslehrerin, Erzdiözese Freiburg

Bei Fragen zu den Impulsen wenden Sie sich bitte an: info@advent-online.de